Autoreninterview mit Vincent Rahder

Autoreninterview mit Vincent Rahder

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Zum Teil war Karl May schuld daran. Irgendwann hatte ich all seine Wildwestbücher gelesen und plötzlich gab es keine neuen Geschichten von Old Shatterhand und Winnetou mehr. Da habe ich dann beschlossen, dass das so nicht bleiben kann und angefangen, die Geschichte vom Sohn des Old Shatterhand zu schreiben. Sie wurde nie fertig, aber sie existiert noch, wenn auch schwer lesbar, da die Schrift verblasst ist.
Aber meine wohl erste Geschichte habe ich schon einige Jahre früher geschrieben. Mit meinen Eltern war ich auf der Burgruine bei Staufen und in einem Gewölbe gab es unter einer alten Steinstufe ein Loch. Da fing ich an, von einem Schatz zu träumen, der dort liegen könnte. Tatsächlich zu graben war natürlich nicht drin, also habe ich eine kurze Geschichte geschrieben, in der ich meinen Schatz gefunden habe.

Sie haben epubli Ihr Buch “Sommernacht in Kissingen” mit auf die Messe gegeben. Wie sind Sie auf die Idee für das Buch gekommen und worum geht es?

Mit meinen Geschichten erfülle ich mir manchmal gerne Träume oder Wünsche, mache aus meiner Fantasie Realität. So war es auch mit „Sommernacht in Kissingen“. Im Sommer vor zwei Jahren habe ich Vicki Baums „Menschen im Hotel“ gelesen, in dem auch Glücksspiel stattfindet. Da kam mir die Idee zur Casino-Szene in meinem Roman und sofort auch der Gedanke an Bad Kissingen. Geschichte und Ort der Handlung kamen ganz natürlich zusammen. Als der Roman fertig war, fiel es schwer, diese Welt wieder zu verlassen. Alle Personen waren für mich wie Freunde, es war, als sei das Erzählte tatsächlich so passiert.

Der Roman spielt in den Roaring Twenties, im Sommer 1927, und dreht sich um den Hauptprotagonisten Magnus Miller, der mit kleinem Geldbeutel nach Bad Kissingen kommt, um dort zu spielen und einmal das Gefühl zu haben, zur „besseren Gesellschaft“ dazu zu gehören. Zu Anfang ist er noch etwas unsicher, auch was seine Männlichkeit betrifft und unwissend bis naiv, was die politischen Entwicklungen der Zeit anbelangt. Aber er entwickelt und verändert sich im Laufe des Romans, wobei der Fokus aber nicht auf dem Politischen liegt.

sommernacht in kissingen vincent rahder

      Sommernacht in Kissingen

  • ISBN: 978-3-7418-8745-1
  • Genre: Roman
  • Softcover: 9,99 €
  • Mehr Infos

Was macht dieses Buch besonders? Für wen ist das Buch die perfekte Lektüre?

Der Roman versetzt den Leser zurück in die Atmosphäre der Goldenen Zwanzigerjahre und dies in einer authentischen Weise. Ich habe sehr viel für diesen Roman recherchiert, zum Jahr 1927 im Allgemeinen, aber auch zu Bad Kissingen, Gesellschaft, Musik und Politik der Zeit im Speziellen. 1927 war ein Jahr, in dem sich eine Zeitenwende abzeichnete, vor allem, was den erstarkenden Nationalismus anbelangt. Heute, genau 90 Jahre später, zeichnet sich ebenfalls eine Zeitenwende ab. Erneut mit wachsendem Nationalismus, Populismus und Autoritarismus, und keiner weiß, wohin das alles noch führt. Der Roman hat damit durchaus auch einen aktuellen Bezug.
Dennoch: Der Roman soll in erster Linie unterhalten. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, ihm nicht zu viel Schwere zu geben. Es geht mir darum, auch die Botschaft zu vermitteln: Seid nicht naiv, aber vergesst in Zeiten wie diesen, mit Krieg und Krisen überall um uns herum, das Leben nicht – „Carpe diem!“. Wer mit alledem etwas anfangen, damit etwas verbinden kann, für den ist der Roman genau die richtige Lektüre.

Haben Sie bereits mehrere Bücher veröffentlicht oder haben Sie welche in Planung?

Bislang habe ich keine anderen Bücher veröffentlicht, „Sommernacht in Kissingen“ ist mein Erstling. Aber eine Fortsetzung ist fest geplant. Diese wird sich jedoch aus beruflichen Gründen und mit zwei kleinen Kindern von 2 und 4 Jahren erst einmal nicht verwirklichen lassen.

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Themenfindung, dem Schreiben und dem Vermarkten des Buches gemacht? Haben Sie Tipps für angehende Autoren?

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es für eine Idee schon einen Musenkuss braucht, den man nicht erzwingen kann. Man muss offen sein für die Idee, die vom Himmel fällt, und dazu braucht es – so ist es jedenfalls bei mir – eine entspannte Atmosphäre ohne Ablenkung, Stress und Ärger. Kerzenlicht und ein paar Glas Wein können da manchmal hilfreich sein. Schreiben kann ich dann im Grunde überall. Ich habe meinen Roman zu den unterschiedlichsten Zeiten an den unterschiedlichsten Orten geschrieben, stets oldschool mit Papier und Kuli. Später habe ich das Geschriebene dann über Spracherkennung in den Laptop diktiert, was sehr viel Zeit gespart hat. Wichtig beim händischen Schreiben war mir stets, eine gute Umgebung zu haben, die meine Kreativität unterstützt. Zum Glück kann ich mich auch bei lauteren Geräuschen in der Umgebung gut konzentrieren.

Als Künstler hat man meiner Ansicht nach keine Chance, wahrgenommen zu werden, wenn man sich nicht vermarkten kann oder andere das professionell für einen tun. Als Self-Publisher, ohne eine gewichtige Vertriebs- und Kontaktstruktur eines großen Verlages im Hintergrund, ist man da sicherlich besonders gefordert. Ich denke, es kann nicht schaden, Kontakt zur regionalen Presse aufzunehmen und auf sein Buch aufmerksam zu machen. Vielleicht springt eine Buchbesprechung dabei heraus. Auch die Buchhändler vor Ort sollte man kontaktieren, vielleicht nehmen sie das Buch ins Sortiment auf. Auch der Druck von Werbeplakaten könnte sinnvoll sein, das habe ich zum Beispiel getan. Ob diese Investition etwas bringt, muss ich erst selbst noch in Erfahrung bringen.

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