Storytelling - Wie baue ich eine Geschichte auf?

Storytelling - Wie baue ich eine Geschichte auf?

Storytelling, zu Deutsch “Geschichten erzählen”, begleitet uns unser ganzes Leben. Als Kinder bekommen Geschichten erzählt, später lassen wir unser Kreativität freien Lauf und denken uns selbst Geschichten aus, welche mit den Liebsten oder als Autor auch mit der ganzen Welt geteilt werden. Beim Storytelling folgen wir meist unbewusst einer Struktur, um die Geschichte spannender für Leser bzw. Zuhörer zu gestalten.

Vier verschiedene Strukturen beim Storytelling

Jede Story sollte einer Handlungsstruktur folgen. Dieses Gerüst hilft dem Leser, der Geschichte besser folgen und sie somit besser zu verstehen. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Strukturen beim Storytelling etabliert. Hier eine Übersicht der wichtigsten Plotmuster.

“4 Strukturen für Deine Geschichte!”
Diesen Satz twittern twitter icon

Drei-Akte-Struktur

 Ihnen ist sicherlich noch aus der Schulzeiten bekannt, die Untergliederung der Story in drei Akte. Diese Art des Storytellings bietet Ihnen viel Raum für Handlungsmöglichkeiten.

  1. Einleitung: Der Anfang der Geschichte dient dazu Ihre dreiaktHauptcharaktere, den Ort sowie den zentralen Konflikt einzuführen.

  2. Hauptteil: Im weiteren Verlauf der Handlung spitzt sich der Konflikt immer weiter zu, bis er schließlich am Höhepunkt die Überhand ergreift und Ihr Protagonist seinen Tiefpunkt erleidet.

  3. Schluss: Zu guter Letzt wird der Konflikt von Ihrer Hauptfigur aufgelöst und der Tiefpunkt somit überwunden.

Als Überleitung zum nächsten Akt dient ein Wendepunkt, also ein besonders wichtiges, ggf. auch überraschendes Ereignis des vorherigen Aktes. Während Einleitung und Schluss ca. 25% der Story einnehmen, macht der Hauptteil etwa 50% des Werkes aus.

Fünf Akte nach Freytag

Noch genauer gibt die Fünf-Akte-Struktur vor, was, wann und wie etwas in der Handlung geschieht. Der deutsche Dramatiker und Romanautor Gustav Freytag entdeckte dieses Handlungsmuster in Dramen von Shakespeare und aus dem antiken Griechenland.

  1. Exposition: In der Exposition werden wieder alle Hauptfiguren, Spieler und Gegenspieler, Örtlichkeiten sowie der Auslöser für den Konflikt dargelegt. Dieser muss jedoch nicht immer offensichtlich sein.

  2. Handlungssteigerung: Weitere Komplikationen verhindern die Lösung des Konflikts.

  3. Klimax: Der Höhepunkt ist der spannendste Teil der Geschichte. Wie beim Drei-Akter wird die Handlung und der Konflikt auf die Spitze getrieben.

  4. Handlungsabfall: Die Spannung wird allmählich abgebaut und Nachwirkungen des Höhepunktes offenbart.

  5. Denouement/Auflösung: Nach dem Abfall der Handlung wird der Konflikt endlich aufgelöst.

Der Sieben-Akter

Eine weitere Struktur für das Storytelling ist der Sieben-Akter, der im Grunde genommen auch eine erweiterte und ausführlichere Version der Drei- und Fünf-Akte-Struktur ist.

  1. Aufhänger: Der Aufhänger ist das Gegenteil der Auflösung (7.), also die Aufbereitung des Konflikts.

  2. Erste Wendung: In diesem Abschnitt wird der Konflikt offenbart. Neue Aspekte verändern das Geschehen, die Hauptfigur und ihre Umwelt.

  3. Erster Kniff: Aufgrund einer negativen Situation werden die Protagonisten zur Reaktion animiert. Der Konflikt kann jedoch noch nicht gelöst werden. Die Gesamtsituation wird schwierig.

  4. Mittelpunkt: Die Lage spitzt sich weiter zu, sodass die Figuren nun aktiv handeln (müssen).

  5. Zweiter Kniff: Die Situation wird zunehmend schlimmer. Der erste Versuch den Konflikt zu lösen geht schief, weshalb kaum mehr Hoffnung bleibt.

  6. Zweite Wendung: Die Hauptfigur erlebt einen wichtigen Entwicklungsschritt, z. B. in Form einer Idee bzw. einer Erkenntnis. Eine andere Möglichkeit ist es einen helfenden Gegenstand oder helfende Person in die Handlung einzubringen.

  7. Auflösung: Der Hauptkonflikt wird aufgelöst.

Die Heldenreise

heldDas Schema der Heldenreise ist auch die Basis sämtlicher erfolgreicher Hollywood-Filme wie Star Wars oder Harry Potter. Die Zuschauer bzw. Leser sind also mit dem Ablauf vertraut und besonders offen gegenüber dieser Storytelling-Weise. Im Mittelpunkt steht – na klar, wer sonst – der Held bzw. die Heldin.

  1. Die gewohnte Welt: Der Held lebt in seiner Alltagswelt und ist damit mehr oder minder zufrieden. Meist ist er ein Außenseiter, vielleicht ein Waisenkind, und merkt dass es “da draußen” noch mehr geben muss.

  2. Der Ruf zum Abenteuer: Dieser Missstand und ein erster Einblick in eine fremde Welt regen ihn an über den Aufbruch in ein Abenteuer nachzudenken.

  3. Die Verweigerung des Rufs: Da der Held gelernt hat Risiken zu vermeiden, will er den Ruf nach dem Abenteuer ignorieren. Gleichzeitig ist er sich aber bewusst, dass er dem Ruf folgen muss, wenn er seine Träume verwirklichen möchte.

  4. Begegnung mit dem Mentor: Neben “Möchtegern-Mentoren” trifft der Held auf seinen wahren Mentor, der ihm ohne Hintergedanken und Ansprüche mit Rat und Tat zur Seite steht und beide Welten kennt.

  5. Überschreiten der ersten Schwelle: Das Überschreiten der ersten Schwelle erfordert Mut und Willenskraft. Danach gibt es für den Helden kein Zurück mehr. Die neue Welt unterscheidet sich sehr von der Alten.

  6. Bewährungsproben, Verbündete, Feinde: Der Held muss die Regeln der neuen Welt lernen sowie wer Freund und wer Feind ist. Er muss sich erst noch orientieren und experimentiert mit seiner Rolle, wodurch er zum Risiko anderer wird.

  7. Vordringen in die tiefste Höhle: Der Held entwickelt ein Verständnis für das “große Ganze”. Er steht nicht nur seinem Erzfeind und Gegenspieler gegenüber, sondern erkennt auch seinen größten inneren Feind.

  8. Entscheidungskampf: Dies ist der Wendepunkt der Geschichte, der die größte Veränderung mit sich bringt, welche nicht rückgängig gemacht werden kann. Beim Spiel gegen Leben und Tod tritt der Held auch seiner “dunklen Seite” gegenüber und verliert.

  9. Belohnung und Ergreifen des Schwerts: Nach der “Wiedergeburt” blickt der Held zufrieden und selbstgestärkt auf das Geschehene zurück.

  10. Rückweg: Mit seinen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen kehrt der Held zurück in die alte Welt. Dieser Rückweg wird in Hollywood-Filmen oftmals durch ein Wettrennen gegen die Zeit oder eine spannenden Verfolgungsjagd inszeniert. Randfiguren werden unter Umständen geopfert.

  11. Erneuerung/Verwandlung: Alle positiven Eigenschaften des Helden verbinden sich mit dem Gelernten. Im letzten Kampf geht es nicht wieder nur um sein Wohlergehen, sondern um das der ganzen Welt.

  12. Rückkehr mit dem Elixier: Das Elixier besteht aus der Integration des Gelernten in den Alltag des Helden. Es bereichert und vereinfacht das Leben. Die Aufgabe wurde vom Helden bewältigt.

Die hier genannten Strukturen und Schemata zum Storytelling sind nur eine kleine Auswahl. Es gibt nicht die EINE richtige Struktur! Vielmehr können Sie beim Storytelling auch mehrere Muster anwenden, z. B. erst den Drei-Akter, den Sie später mithilfe des Sieben-Punkte-Systems verfeinern. Haben Sie es schon einmal mit Sketchnotes versucht?

Mehr davon!

Wenn Sie diesen Artikel mochten, gefällt Ihnen vielleicht auch dieser Blogbeitrag: Schreibblockade? Probieren Sie diese 3 Kreativitätstechniken.

Halten Sie sich stets auf dem Laufenden: Erfahren Sie zuerst von spannenden neuen Aktionen und hilfreichen Tipps für Autoren rund um die Themen Marketing und Schreiben auf Facebook und Twitter. Vielleicht interessieren Sie sich auch für unsere Webinar-Reihe zum Thema Kreatives Schreiben auf YouTube?

Quellen: Schreibwahnsinn, learnhub, “Writing a Novel and Getting Published For Dummies”, waltermedia