7 Tipps für lebendige Romanfiguren

In diesem Gastbeitrag gibt Titus Müller Ihnen sieben Tipps, wie Sie Ihre Romanfiguren lebendiger gestalten können.

  1. romanfigurAlleskönner erzeugen beim Leser Neid, und Neid schafft Distanz. Damit die Leser den Roman intensiv erleben, müssen sie sich identifizieren. Vor allem die Schwächen des Protagonisten helfen uns dabei, ihn zu lieben.
  2.  Wir können die Motivation der Helden nachempfinden, wenn sie an ein Gefühl gekoppelt ist, das wir kennen. Liebe. Hass. Eifersucht. Angst. Gier. Rachedurst wegen einer Demütigung. Den Drang, wichtig zu sein. Ist ein solches Gefühl der »innere Motor« des Protagonisten, wird er zur glaubwürdigen Romanfigur.
  1. Protagonisten dürfen Fehler machen, nur sollten sie nicht antriebslos in der Ecke sitzen. Ich untersuche jede Szene darauf: Ist mein Held aktiv und setzt er alle seine Kraft ein, um die Krise, in der er steckt, zu seinen Gunsten aufzulösen?
  1. Die Reaktion der Figuren auf Konflikte und Krisen macht sie für den Leser greifbar. Er lernt das Wesen der Protagonisten durch ihre ganz persönliche Art des »Krisenmanagements« kennen. George Simenon fragte sich zu seinen Figuren immer: Was kann ihnen zustoßen, das sie zum Äußersten zu treiben vermag?
  1. sehnsucht wunschDer Held sollte Sehnsüchte haben, die sich widersprechen. Er muss mit sich selbst ringen. Dann ist nicht mehr voraussagbar, was er tun wird, denn der Leser ist nicht sicher, welche Seite gewinnt. Auch wir haben eine »Leiche im Keller«, Hemmungen, Fantasien und Schuldgefühle. Das ist der Grund dafür, dass uns diese inneren Konflikte so ansprechen: Wir tragen sie genauso in uns. Auch wir sind hin- und hergerissen zwischen Güte und Egoismus.
  1. Entscheidend ist nicht das Äußere eines Protagonisten, also ob er blaue Augen hat, sondern seine Wirkung auf andere. Über die Reaktionen der anderen lässt sich der Protagonist glaubwürdig beschreiben. Im Theater gibt es die Regel: Den König spielen die anderen. Der größte Laie könnte in den Raum hineinlaufen – wenn die Schauspieler drumherum sich authentisch genug verneigen oder zu ihm hinknien, steht er als beeindruckender König da. Wenn doch zur Anregung der Vorstellungskraft äußerliche Eigenschaften erwähnt werden, sollten es wenige sein und solche, die den Charakter des Protagonisten herauskehren. Legt er sich die Haare auf eine bestimmte Weise? Ist er nachlässig beim Rasieren oder geht etwas steif? Es muss Rückschlüsse auf seinen Charakter erlauben, dann ist es erzählenswert.
  1. Leser lieben es, eine Romanfigur durch ihr Handeln kennenzulernen. Wie ist jemand, der ein Papier, bevor er es wegwirft, ordentlich dreimal faltet? Wie ist jemand, der vor dem Schlafengehen das Zimmer nach Mücken absucht? Oder einer, der nachts zweimal aufsteht, um nachzusehen, ob der Herd ausgeschaltet ist? Dass wir über das Innere der Figur nachdenken müssen, um sie wie ein geheimnisvolles Gegenüber zu enträtseln, ist ein großer Reiz beim Lesen.

 

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08.04.2015 zuletzt geändert am: 23.10.2020 • Janina Treder
Kategorien: Schreibtipps,
Tags: Gastbeitrag, Schreibtipps,