Annie Stones Marketing-Tipps Teil 1

Annie Stones Marketing-Tipps Teil 1

Die Erotik-Autorin Annie Stone hat 2014 mit ihren erotischen Liebesromanen die Herzen der Leser und vor allem der Leserinnen im Sturm erobert und sich innerhalb kürzester Zeit eine große Fan-Gemeinde aufgebaut. Wie ihr das gelungen ist und welche Tipps sie für andere Autoren hat, erzählte sie auf der Leipziger Buchmesse. Wir veröffentlichen das Gespräch in zwei Teilen auf unserem Blog. Im ersten Teil verrät sie, wie sie mit schlechten Rezensionen umgeht, wie sie ihren Tag zwischen Social Media und Schreiben einteilt und warum Fluchen auf Facebook gefährlich sein kann.

“Ich bin einfach nur nett”. Das hast du mal auf unserem Blog über deine Marketingmaßnahmen geschrieben. Ist das wirklich alles?

Das ist zumindest der Grundstein meines Marketings. Bei den ersten fünf Büchern habe ich nichts anderes gemacht als auf E-Mails zu antworten, Kommentare zu liken und Freundschaftsanfragen anzunehmen. Einfach, weil ich finde, das gehört sich so. Wenn sich jemand die Zeit nimmt, mir zu schreiben, dann kann ich mir auch die Zeit nehmen, zu antworten. Mit dem sechsten Buch habe ich angefangen, anderes Marketing zu betreiben. Zum Beispiel habe ich eine Gruppentour gestartet und habe Werbematerial, darunter Lesezeichen und Postkarten, drucken lassen. Es hilft auch, mit den Betreibern von großen Facebook-Gruppen in Kontakt zu sein, wie z.B. die Bücherwürmchen.

Vor genau einem Jahr erschien auf anniestoneblog.com dein erster Blogpost. Zu Beginn tat sich dort noch nicht so viel, trotzdem hast du von Anfang an regelmäßig gepostet. Mittlerweile gibt es Posts mit 150 Kommentaren, auf Facebook hast du mehr als zweitausend Fans. Was hast du richtig gemacht?

Ich denke, es sind hauptsächlich zwei Dinge. Erstens habe ich mit meinen „She flies“-Büchern eine vierteilige Buchreihe geschrieben, die viele Fans gefunden hat. Darin geht es um eine junge Frau, die eine Beziehung mit drei Männern hat und sie alle drei liebt. Polyamorie ist ein provokantes Thema, was die Leser*innen sehr angesprochen zu haben scheint.

Zweitens habe ich mich immer bemüht, so erreichbar wie möglich für meine Leser*innen zu sein. Meine Bücher schreibe ich so, als würde eine Freundin einer anderen etwas erzählen und genau das möchte ich sein: die erzählende Freundin.

Du hast einen Blog, bist bei Facebook, auch bei Goodreads und Lovelybooks, seit kurzem twitterst du auch. Welche Plattform ist für dich die wichtigste?

Das ist eindeutig Facebook, weil ich hier die meisten Menschen erreichen kann. Zum einen, weil ich hier bereits eine große Fanbasis habe, aber eben auch, weil die Betreiber*innen von verschiedenen Buchgruppen und -seiten alles tun, um uns Autor*innen zu unterstützen.

Deine Buchinhalte sind sehr explizit. Gibt es Besonderheiten bei der Kommunikation mit deinen Fans? Achtest du z.B. bei Facebook darauf, nicht zu explizit zu werden?

Jein. Ich versuche schon, keine Probleme mit Facebook zu bekommen, weil mir sonst eine wichtige Plattform genommen würde. Ich versehe also manche Worte mit Sternchen oder verlinke auf meinen Blog, wenn ich viele Schimpfworte verwende, damit ich keine Sperrung meiner Seite riskiere. Besonders am Anfang habe ich manchmal von Leser*innen zu hören bekommen, dass ich zu viel fluche. Mittlerweile wissen das aber alle.

Apropos fluchen. Gibt es auch mal blöde Sprüche und schlechte Rezensionen? Wie gehst du damit um?

Blöde Sprüche nicht, aber natürlich gibt es schlechte Rezensionen. Klar wäre es mir lieber, wenn alle meine Bücher lieben, aber das ist vollkommen utopisch. Nicht jedes Buch kann jedem gefallen. Und dass ein Buch über Polyamorie manchen Menschen sauer aufstößt, kann ich auch nachvollziehen.

Außerdem sehe ich das auch aus der Sicht der Leserin: Mir gefällt auch nicht jedes Buch, und das ist doch völlig normal. Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Deshalb geh ich mit Negativ-Bewertungen locker um.

Kurz nach der Veröffentlichung von meiner She flies-Reihe wurde in manchen Rezensionen geschrieben, dass die Handlung – in der eine Frau mit mehreren Männern eine sexuelle Beziehung hat – abartig sei. Daher habe ich einen Blogpost dazu geschrieben und ihn auf meiner Amazonseite verlinkt. Danach hat niemand mehr geschrieben, Polyamorie sei abartig.

Vor deiner Karriere als Schriftstellerin warst du in der Politik tätig, deine Protagonistinnen setzen sich mit dem Thema Emanzipation und Feminismus. Setzt du dich damit auch auseinander? Wie passen erotische Romane und Emanzipation zusammen?

Ich selbst habe lange darüber nachgedacht und finde, es passt sehr gut! Meine Protagonistinnen sind starke Frauen, die ihr eigenes Leben leben und nicht von Männern abhängig sind. Ich möchte keine überholten Rollenklischees der letzten Jahrhunderte propagieren. Ich finde allerdings, dass das echte Leben und das Sexleben zwei Paar Schuhe sind. Nur, weil jemand im Bett eine unterwürfige Rolle einnimmt, heißt das noch lange nicht, dass das auch im wirklichen Leben so ist, geschweige denn so sein sollte!

Wie bringst du dich für das Schreiben erotischer Szenen in die richtige Stimmung?

Das muss ich gar nicht. Meist weiß ich selber nicht, dass ich an dem Tag eine Sexszene schreiben werde. Meine Charaktere sind unglaublich stur und machen, was sie wollen. Oft kommt das überraschend und dann gebe ich mich einfach dem Flow hin.

Hast du feste Tageszeiten, in denen du nur Social Media machst bzw. in denen du nur schreibst?

Ich erledige vormittags meist alles, was nichts mit Schreiben zu tun hat, beantworte Mails, pflege meine Social Media Kanäle und turne oft viel zu lang bei Facebook rum. Ich bin morgens einfach noch nicht wach genug zum Schreiben! Damit fange ich gegen zwei an, und dann je nachdem, wie lange ich Lust habe. Die meisten Experten raten zwar, man solle jeden Tag schreiben, sich ein festes Pensum setzen, aber das funktioniert für mich nicht so richtig. Ich versuche schon jeden Tag zu schreiben, aber wenn die Muse mal fehlt, ist das auch okay!

In Teil 2 des Interviews verrät Annie, wo sie sich Unterstützung vom Profi sucht und welchen Marketing-Fehler Autoren auf keinen Fall machen sollten.