Autoreninterview mit Gertraud Evers

Autoreninterview mit Gertraud Evers

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Tagebuch. Lesen, Lesen, Lesen. Besinnungsaufsätze. Liebeskummer. Was mich berührt, kann ich schreibend vertieft begreifen. Was mich ängstigt, ärgert oder beschämt, das will ich ergründen, vielleicht lindern, jedenfalls beim Namen nennen. Die Sprache ist mein Sieb, mit dem ich Nuggets aus dem Fluss der Ereignisse fische. Festhalten will ich Schönes und Schlimmes, dem Undeutlichen eine Fassung geben, Widersprüche dingfest machen, von Schmerzen Abstand bekommen. In meinem Beruf als Psychotherapeutin höre ich ständig Geschichten. Zum Verarbeiten schreibe ich alles auf.

Anlässlich eines Schreibwettbewerbs habe ich vor Jahren eine abgerissene Liebesgeschichte weitergesponnen, dann Kurzgeschichten und Romane verfasst. Ich beobachte Szenen im Bekanntenkreis, im Zug, auf dem Markt, ich schaue mir Bäume und Wege und Flüsse an, ich sammle Mosaiksteine, Muster, Schwingungen, Knoten, ich drehe und wende und gruppiere die Einzelheiten so und dann wieder anders, und habe meine Freude daran.

Sie haben epubli Ihr Buch “Deine Nina” mit auf die Messe gegeben. Wie sind Sie auf die Idee für das Buch gekommen und worum geht es?

Ein Vortrag über die alte Geschichte von Narziss und Echo hat mich nicht losgelassen. Ich stellte mir einen schönen jungen Mann vor: wie er von vielen begehrt wird, selbst aber kalt bleibt, wie er nichts erfährt von seinen Liebhaberinnen als den Widerhall seiner eigenen Stimme. Ich nannte ihn Nino.
In Italien betrachtete ich ein Relief mit sieben Figuren und erinnerte mich an ein Heine-Gedicht über die verfehlte Liebe, „… und wem es just passieret, dem bricht das Herz entzwei …“, und allmählich begannen rund um Nino die sechs anderen Gestalten dieses Gedichts lebendig zu werden. Ich wollte eine Geschichte finden, in der es möglich wird, dass Nino sich verliebt.

Vier Männer und drei Frauen. Ein Lehrer, ein Barkeeper, ein Student, ein Arzt, eine Schauspielerin, eine Psychoanalytikerin, eine Fotografin. Ihre Wege kreuzen sich bei der Silvesterfeier in der „Orlando“-Bar. Im Lauf eines Jahres werden sie alle von der Liebe bewegt, im Guten wie im Bösen, und was im Leben keinen Ort findet, fließt in die Träume. Beim nächsten Jahreswechsel ist von einer Trennung, zwei Hochzeiten, einer Serie von Waffenstillständen, einem Selbstmordversuch, einem Begräbnis und einer Schwangerschaft zu erzählen.

getraud evers deine nina

     Deine Nina

  • ISBN: 978-3-8442-2800-7
  • Genre: Belletristik
  • Softcover: 17,00 €
  • Mehr Infos

Was macht dieses Buch besonders? Für wen ist Ihr Buch die perfekte Lektüre?

Jedes Kapitel ist aus der Perspektive eines der sieben Protagonisten verfasst. In ihren Beziehungen, in Spiegelungen und Schnitten tritt zutage, was sie fürchten und was sie lieben. Die Bar, in der die Fäden zusammenlaufen, ist ein magischer Ort. Alltägliche Szenen des städtischen Lebens gleiten in Tag- und Nachtträume hinein.

Wer sich von den Geheimnissen der Liebe anziehen lässt, wer sich Spannung auch ohne Verbrechen vorstellen kann, wer sich statt in Kreuzworträtsel lieber in leicht verschwommene Bilder vertieft, der wird gern in die Lektüre eintauchen.

Haben Sie bereits mehrere Bücher veröffentlicht oder haben Sie welche in der Planung?

2007 erschien das Buch „Sprech-Stunden. Erzählte Psychotherapie“ im Schattauer Verlag für Medizin und Naturwissenschaften.
Den Roman „Friedensbrücke“, in dem es um einen Todesfall im Wiener Donaukanal geht, biete ich gerade verschiedenen Verlagen an.

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Themenfindung, dem Schreiben und Vermarkten Ihres Buches gemacht? Haben Sie Tipps für angehende Autoren? 

Themen, Gestalten und Szenen habe ich im Keller aufbewahrt, mehr als genug. Auch wenn die äußeren Bedingungen günstig sind, gilt es, die Schwelle zum Schreib-Modus entschlossen zu überschreiten. Ungestörte Stunden oder gar Tage sind dafür nützlich, aber nicht unbedingt notwendig. Was es aber jedes Mal braucht, das ist ein mentaler Ortswechsel: hinunter in den Keller, hinein in die innere Schreibstube.

Meine naive Vorstellung, dass meine Aufgabe als Autorin mit dem Wort „Ende“ abgeschlossen sei und dann die Profis mein Baby in die Welt bringen, hat sich natürlich nicht eingelöst. Die Welt wartet nicht auf „unverlangte Manuskripte“. Die Fachleute in den Lektoraten brauchen einen Deich gegen die Flut, die aus den Federn von uns Möchtegern-Schriftstellern quillt. Trotzdem: Die unpersönlichen Absagen der Verlage per Schema-Brief nicht persönlich zu nehmen, das fällt wirklich schwer.

Ich bin stolz darauf, dass ich es jüngst geschafft habe, als Amateurin einen Roman mitsamt Cover ganz allein bis zur Veröffentlichung zu gestalten. Zur engagierten Vermarktung fehlten mir allerdings bisher Zeit und Know-How. Auch um für diese Aufgabe eine Agentur zu finden, braucht es reichlich Einsatz und Glück. Wer ernsthaft sein Werk an die Leserschaft heranbringen will, muss diesen Teil der Schriftstellerei beherzt anpacken. Oder macht einfach sein Boot fertig, setzt die Segel und wartet auf guten Wind.

Sie möchten weitere epubli-Autoren kennenlernen? Hier finden Sie eine Übersicht aller Interviews.

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