Die eigene Biografie schreiben

Viele Stars und Sternchen beweisen es: Um eine eigene Biografie zu schreiben, muss man nicht bereits die Hälfte seines Lebens hinter sich haben. Jeder von uns hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Das Verfassen einer eigenen Biografie hilft beim Suchen nach der eigenen Identität, beim Gewinnen von Erkenntnissen und Verarbeiten von Ereignissen. Sie können sich aussprechen und auch andere über Ihren Lebensweg und Ihre Entscheidungen informieren, z.B. wie Sie mit einem bestimmten Schicksalsschlag, einer Krankheit etc. fertig geworden sind.

“Jeder von uns hat eine Geschichte zu erzählen. So schreibt man eine Biografie.”
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Arten von Biografien

Vier Arten von Biografien werden unterschieden. Die bekannteste Form ist die Autobiografie, bei der der Autor chronologisch von seinen Lebensereignissen, von der Geburt bis zum Zeitpunkt der Biografie, berichtet. Im Mittelpunkt steht hierbei die Entwicklung des eigenen Ichs. Eine Lebenserinnerung fokussiert ebenfalls das eigene Ich, aber nur bestimme Lebensabschnitte und nicht den gesamten Lebensweg. Genau anders herum verhält es sich bei Memoiren. Bei diesem Erzählen von Erinnerungen werden vornehmlich die äußeren Umstände und Ereignisse betrachtet und durch einen lockeren Erzählstil und Anekdoten geprägt. Die vierte Biografie-Art ist der autobiografische Roman, in welchem Realität und Fiktion gemischt werden. Der Leser weiß also nicht, welche Buchabschnitte auf wahren Begebenheiten beruhen und welche nicht.

Wie schreibe ich eine Biografie?

Wenn Sie Ihre eigene Biografie schreiben möchten, sollten Sie damit beginnen so viele Erinnerungen und Geschichten zu sammeln wie möglich. Da sich positive Ereignisse besser erinnern lassen, fangen Sie beim Schreiben ruhig mit den schönen Momenten in Ihrem Leben an. So kommen Sie in einen Schreibfluss und negative Erinnerungen, die anfangs eventuell Schreibblockaden ausgelöst hätten, können so auch notiert werden. Betrachten Sie anschließend Ihre Geschichten und versuchen Sie ein gemeinsames Oberthema zu finden. Das kann zum Beispiel ein Hobby, wie Kochen, Reisen oder Sport, oder ein Ort oder Ähnliches sein. Haben Sie Ihr Oberthema gefunden, können Sie nun ein Konzept erstellen und sich dabei an folgenden, beispielhaften Fragen orientieren: 

  • Welche Menschen und Ereignisse haben mich und mein Leben geprägt?
  • Wer stand mir bei wichtigen Situationen zur Seite?
  • Welche Erlebnisse haben mich positiv/negativ verändert?
  • Welche Veränderungen gingen von mir selbst aus und welche durch andere Personen/Umstände?
  • Welche Entscheidungen habe ich bewusst getroffen?
  • Wovon habe ich geträumt? Was hat sich davon erfüllt und was nicht?
  • Welche Ziele habe ich verfolgt? Habe ich diese erreicht? Wieso bzw. wieso nicht?
  • Wo liegen meine Prioritäten? Was ist mir wichtig?
  • Was wünsche ich mir für die Zukunft? Fehlt mir etwas?
  • Wie sieht der weitere Verlauf meines Lebens aus?

Sammeln Sie so viele Informationen wie möglich. Erinnerungen sind subjektiv und können verblassen. Frischen Sie diese mit alten Briefen, Tagebüchern und Fotos auf und Fragen Verwandte und Freunde nach ihren Erinnerungen zu bestimmten Ereignissen. Sie selbst entscheiden, welche Situationen für Ihre Geschichte wichtig und mit ins Konzept aufgenommen werden sollen und welche nicht.

Ihr Leben, Ihr Schreibstil

Ihre Biografie muss nicht perfekt und lückenlos sein. Sie sollten auf spannende und lebendige Art und Weise Ihr Leben und dessen Ereignisse reflektieren. Der Leser muss gefesselt sein und sich alles bildlich vorstellen können. Schreiben Sie Ihre Geschichte also so, als würden Sie sie jemandem von Angesicht zu Angesicht erzählen, der Sie nicht kennt – persönlich, strukturiert, detailliert und vor allem verständlich. Es gilt: Ihr Leben, Ihr Schreibstil. Dennoch sollten Sie bei einer Biografie Schachtelsätze und zu viele Fremdwörter vermeiden. Benutzen Sie stattdessen eine klare und einfache Sprache. Beschreibende Adjektive, Sinneswahrnehmungen und Vergleiche helfen Ihren Lesern sich in die jeweilige Situation hineinzuversetzen. Bleiben Sie bei einer Zeitform (Gegenwart oder Vergangenheit), einer Perspektive (erste oder dritte Person Singular), schreiben Sie im aktiv und benennen Sie Personen und Gegenstände beim Namen. Erzählen Sie Ihre Sicht der Dinge, aber vermeiden Sie es Ihre Biografie zur Abrechnung oder Rache an Anderen zu nutzen und sich überschwänglich und wiederholend selbst zu loben.

Rechtliche Hinweise

Wenn Sie über Ihre eigene Biografie und über Ihr Leben schreiben, wird es sich nicht vermeiden lassen auch von anderen Personen mehr oder weniger detailliert zu erzählen. Aber genau damit begeben Sie sich auf unsicheres Terrain. Zahlreiche Vorfälle berühmter Persönlichkeiten in der Vergangenheit beweisen dies. Genannte Personen fühlten sich verleumdet und in ihrem Persönlichkeitsrecht eingeschränkt, es kam zur Klage und in den meisten Fällen mussten entsprechende Stellen geändert, geschwärzt, gelöscht oder gar das ganze Buch vom Markt genommen werden. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht ist in der Verfassung verankert (Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art.1 Abs. 1 GG) und kann somit andere Rechte wie die Kunst- oder Pressefreiheit einschränken. Relevante Untergruppen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sind weiterhin der Schutz der Privat-, Geheim- und Intimsphäre, das Recht am gesprochenem und geschriebenem Wort, der Schutz gegen Entstellung und Unterschieben von Äußerungen, das Recht am eigenen Bild, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Recht der persönlichen Ehre. Wenn Sie also zum Beispiel Briefe, Zeichnungen und Fotos in Ihrer Biografie veröffentlichen möchten, müssen Sie die Veröffentlichungsrechte besitzen und abgebildete Personen um eine schriftliche Abdruckerlaubnis bitten.  Um sicher zu gehen, dass genannte Personen sich nicht in ihren Rechten beschränkt fühlen, können Sie diesen Ihre Biografie vor der Veröffentlichung vorlegen und eine Einverständniserklärung einholen. In jedem Gerichtsfall müssen die Sachlage individuell geprüft und Rechte abgewogen werden. Es empfiehlt sich, sich vorab ausreichend mit den Rechtsgrundlagen zu beschäftigen, bspw. mittels Bücher zum Medienrecht, und gegebenenfalls rechtlichen Rat einzuholen, bevor eventuell die ganze Schreibarbeit umsonst war. Bei autobiografischen Romanen ist die Rechtsgrundlage weniger problematisch, da hier Fiktion und Realität nicht trennscharf sind. Es bleibt Ihnen außerdem auch die Möglichkeit Ihre eigene Biografie unter einem Pseudonym zu veröffentlichen.

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Bilder: www.pexels.com

 

Quellen: anleitung-zum-schreiben.de, Frank Fechner – Medienrecht [Buch], deutsche-anwaltshotline.de  


01.06.2015 zuletzt geändert am: 04.12.2018 • Christin Haftmann
Kategorien: Erstellen, Schreibtipps,
Tags: Biografie schreiben, Schreibtipps,