epubli Autorenerlebnisse - Teil 1

Zum Welttag des Buches 2014 riefen wir unsere epubli-Autoren dazu auf, uns von ihren individuellen Erlebnissen als Schriftsteller zu erzählen. Daraus entstand ein wundervolles eBook mit Berichten und Gedichten über all die Höhen und Tiefen, mit welchen Sie als Autoren zu kämpfen haben. An dieser Stelle möchten wir Ihnen noch einmal Ihre Beiträge separat vorstellen. Den Anfang machen Marcel Fenske-Pogrzeba und Frank Wallner, die sich vor allem mit den unterschiedlichen Phasen während des Schreibprozesses beschäftigten.

 

“Zu viel zum Verfolgen” von Marcel Fenske-Pogrzeba

Wie schön es ist, wenn sich die Buchstaben aus dem Synapsensalat durch die Fingermuskeln auf den strahlenden Monitor ergießen und eine schwarze Fläche aus Worten formen. Beinahe wie von selbst füllt sich Seite um Seite und dann hat man das Ende erreicht. Man ist glücklich, traurig und voller froher Hoffnung. Und dann begeht man den Fehler seines Lebens – man liest den eigenen Zeichensalat noch einmal und erkennt, dass man doch noch nicht das Ende erreicht hat. Denn es wäre zu einfach, wenn ein Text beim aller ersten Mal perfekt wäre. Als bald setzt man sich erneut an das eigene Baby und krittelt daran herum. Doch schon nach kurzer Zeit verlässt einen die Gunst der Muße, denn man kennt das Geschriebene bereits und möchte es nur bedingt zum dreißigsten Male lesen.    Und dann kommt das Todesurteil. Eine neue Idee. Schnell braucht man Stift und Papier, damit sie nicht von dannen eilt. Und schnell muss es vom Papier auf den Monitor, denn man möchte wissen, wie es weitergeht. Derweil verdörren die alten Zeilen in den Weiten des digitalen Speichers und bleiben unreife Tomaten. Dann hat man die neue Idee erschöpft. Müsste sie nun hegen und pflegen, wie bei der Alten, bis sie reif für die Welt dort draußen ist und auf eigenen Zeilen stehen kann. Aber der vorzeitige Henker naht in Form einer neuen Idee. Und so dreht sich der Kreis, bis die Festplatte platzt. Berstend von unfertigen Romanen, unausgegorener Prosa und zu kurzen Kurzgeschichten. Fast schon wünscht man sich einen Geist herbei, der einem alles fertig schreibt. Der die Ideen in wohlgeformte Sprache bringt und den richtigen Rahmen setzt ohne, dass man sich Gedanken machen muss. Wie einfach könnte es doch sein, würde man nicht selber schreiben wollen. Oh schnöde Arbeit. So nehme sie mir doch jemand ab, auf das ich mich in meinem Ruhme in Ruhe sonnen kann.

 

“Schreibanstifter” von Frank Wallner

Schreibe sie auf: die Geschichte des Lebens,
es ist an der Zeit; fange einfach nur an.
Ins meerblaue Tintenfass tauch
die trockene Feder – überlege nicht lang.
Schreib aufs Papier sanft wie ein Hauch
den ersten Gedanken deiner Geschichte,
den zweiten, den dritten. Voran! Voran!

 

Die Protagonisten – die Guten, die Schlechten –
entspringen der rechten Hälfte deines Gehirns.
Lass sie springen von der Linken zur Rechten
durch die Weite des Alls – bis zum Himmelsgestirn.

 

Denn sie wollen agieren, sich lieben und streiten,
sie wollen kämpfen, sich wieder versöhnen,
sie werden sterben und wieder auferstehen,
sie wollen den Leser mit Sprache verwöhnen
und in seinem Gedächtnis niemals untergehen.

 

Schreibe solang bis das Tintenfass trocken
und die Feder ist stumpf.
Schreibe solang bis deine Gehirnzellen bocken,
dann wirst du ihn ernten: den großen Triumph.

 

Schreibe solang bis deine Hände müde und schlapp.
Diese Geschichte ist nun geschrieben – bringe die nächste auf Trapp!


17.06.2014 zuletzt geändert am: 06.11.2018 • Christin Haftmann
Kategorien: Inspiration,
Tags: epubli Autorenerlebnis, Welttag des Buches,