epubli Autorenerlebnisse - Teil 3

Zum Welttag des Buches 2014 haben wir Autoren gebeten, uns Ihre Erfahrungen zuzusenden. Daraus entstand ein Sammelband, der zum kostenlosen Download bereit steht. Viele der Autoren drückten ihre Gefühle lyrisch aus. So auch Eva-Maria Obermann, Susanne Ulrike Maria Albrecht und Vanessa Monique Labancz.

 

“Wörterliebe “ von Eva-Maria Obermann

Selbst nach Jahren des Schreibens,

dem unentwegten Aneinanderreihen

von Wörtern und Sätzen,

dem Entdecken neuer Klänge

und funkelnder Buchstaben,

fehlt mir noch immer ein Laut,

das Zauberwort zwischen dem Sein,

das ewig mitklingt zwischen den Zeilen

und nicht entdeckt werden kann;

und es ist beruhigend, zu wissen,

ob dem unformbaren Wortes

in allem und in mir und im Schreiben

und in der Liebe zwischen uns.

 

“Weiße Hochzeit” von Susanne Ulrike Maria Albrecht

Mit dem Alphabet will ich dich beschreiben.

Mit jedem Buchstaben werde ich deinen Titel preisen.

 

W = Wunder

E = Einmalig

I = Innenleben

S = Schlagzeile

S = Sinnenrausch

E = Extraklasse

H = Hochgefühl

O = Orakel

C = Cha-Cha-Cha

H = Hochzeit

Z = Zeichen

E = Engel

I = Initiative

T = Turbulenz

 

“Als ich anfing zu schreiben” von Vanessa Monique Labancz

Als ich anfing zu leben, begann mein Herz zu lieben.

Als ich anfing zu lieben, begann ich zu hassen.

Als ich anfing zu hassen, begann ich zu denken.

Als ich anfing zu denken, begann ich zu schreiben.

Ferne Welten, die doch so nah waren,

Fantasie, die mir keine Grenzen setzte,

Worte, die ich fand, ergaben einen Reim,

Geschichten aus meinem Kopf wurden Wirklichkeit.

 

Neben Kinderkleidern und Kuscheltieren gab man mir eins:

Den Stift.

Ich sah ihn an und dachte über mein Leben nach.

Gab es tatsächlich eine Möglichkeit,

all meine Fantasie in Worte zu fassen,

sie greifbar zu machen und meine eigene Welt zu finden?

 

Eine Welt fernab von Oberflächlichkeit.

Eine Welt, die mir Schutz bot in einer Zeit, in der ich einsam war.

Einsam mit meinen Gedanken und Gefühlen.

Eine Welt, die so nah und doch so fern war.

 

Ich nahm also den Stift in die Hand,

sagte ihm meinen Namen,

und er sagte nur:

„Ich bin du.“

 

Und ich schrieb.

Ich schrieb Geschichten ferner Welten,

Gedanken in Tagebüchern,

meinen Namen in zehnfacher Ausführung

und begann einen Fehler:

Ich hörte nicht auf.

 

Meine Hand hatte direkten Kontakt zu meinem Herzen.

Mein Herz hatte direkten Kontakt zu dem, was wirklich wichtig war.

Ein Fluch und ein Segen, sage ich immer.

Dieses Schreiben.

 

Meines allein.

Auch wenn ich in der Welt nichts kontrollieren konnte –

Das Schreiben gab mir die nötige Sicherheit.

Und, oh Wunder:   Das Papier hörte mir zu!

Es ließ mich ausreden … oder ausdenken?

 

Mein Akku ging schnell leer,

aber im Schreiben, nein, im Schreiben blieb er stets konstant.

Mit 16 lachte ich darüber, dass die Leute mir sagten, ich solle meine Geschichten drucken lassen.

Was, Fantasie zur Wirklichkeit machen?!

 

Gab es das?!

Man durfte also doch werden, was man war?

 

Lange war nichts, nur meine Gedanken.

Lange war ich überfordert, im Beruf, in der Schule – überall.

Aber ich schrieb.

Ich schrieb und schrieb und schrieb.

 

Da, mein Fundament war gebaut.

Mit einem Buch, das ich nie veröffentlichen werde,

das mich aber begleitet hat.

 

Und mit 19 dachte ich:

„Das kann’s nicht sein, mach was draus,

du bist jetzt erwachsen,

nun tu es endlich.“

Und ich tat es.

 

Wie?

Ich fand jemanden,

der Bücher veröffentlichte.

Im Verlag.

 

Viel haben wir geredet, viel haben wir geschrieben.

Und das Resultat war:

Schreiben.

 

Lange habe ich überlegt – Verlag, oder Selbstverlag?

Habe Verlage angeschrieben, die von mir erwarteten, was ich nicht hatte –

Geld.

 

Aufgeben? Niemals!

Jetzt hatte ich schon so lange gewartet und lernte ich mit jedem Satz dazu.

Nimm das Positive aus allen Geschehnissen,

solange du dich damit selbst verwirklichst!

 

Also stieß ich auf epubli.

Mh, seriös, rechtens und ganz nett.

Oh, ich war dem Ziel so nah!

 

Aber was nun?

Es kribbelte, alles kribbelte und ich fragte meinen Kater:

Verlag oder epubli?

Auf eigenartige Weise zeigte er mir die Antwort – mit seiner Pfote!

Epubli, schoss es mir durch den Kopf.

 

Ja oder nein, nein oder ja?

Ich überlegte und überlegte, schrieb und schrieb.

Selbstverwirklichung …

Ein Unternehmen, an das ich meine Rechte nicht abtreten musste, eines, wo ich selbst Herr wäre.

Ein Unternehmen, wo ich tätig sein müsste, um zu werben.

Wo ich selbst die Beine in die Hand nehmen müsste, um Auftritte zu organisieren.

 

Ja, das war es!

Ich beendete ein weiteres Buch

– „Dem Leben lauschen“ schimpfte es sich –

unterschrieb den Vertrag und wartete auf das Exemplar.

 

Und es kam.

Es hatte Hand und Fuß.

Ich packte es aus und glaubte es kaum:

„Solange hast du gewartet!

Seitdem du einen Stift in der Hand hast.

Und jetzt bist du angekommen.

Und das Gute: Es geht weiter!“

 

Was folgte waren selbst ins Leben gerufene Buchvorstellungen,

Gesprächsrunden und Auftritte.

Ich wurde mir meiner Selbst bewusster,

konnte Kraft schöpfen, voranzugehen,

hier ein Zeitungsartikel, da eine Kurzgeschichte,

alles war perfekt.

 

Wovor ich Angst hatte: Das zu beenden, am Ziel anzukommen und nicht mehr zu schreiben.

Also schrieb ich, schrieb und schrieb.

Aus einem Buch wurden zwei.

Und dieses Jahr kommen weitere, mit denen ich viel vorhabe.

 

Und ich hüpfte vom Sprungbrett zum Turm,

rannte vom Turm in den Garten, ging meinen Weg weiter,

lernte dazu, schrieb immer besser   und träume immer noch.

Ich träume?

Ich halte mein Buch in der Hand und denke:

Nein, ich lebe meine Träume!

 

Danke, epubli


01.07.2014 zuletzt geändert am: 08.11.2018 • Christin Haftmann
Kategorien: Inspiration,
Tags: epubli Autorenerlebnis, Welttag des Buches,