epubli Autorenerlebnisse - Teil 5

Als Self-Publisher haben die einen oder anderen von Ihnen sicherlich auch über den traditionellen Weg der Veröffentlichung nachgedacht und einige Verlage kontaktiert. Genau um solche Situationen und Antworten der Verlage geht es in den folgenden Berichten, welche uns anlässlich des Welttag des Buches 2014 zugesendet wurden. Mehr interessante Autorenerlebnisse gibt es im kostenlosen eBook.

 

“Abschrift” von Christine Kayser

Sehr geehrte Frau Kayser,

herzlichen Dank für Ihren Brief und die beigelegten Texte.

Für das, was Sie persönlich durchleben und verkraften müssen, haben Sie mein ehrliches Mitgefühl. Und meine Bewunderung, denn ihre positive Grundeinstellung spricht aus jeder Ihrer Zeilen!

Die Menschen schreiben aus den unterschiedlichsten Gründen. Der eine möchte das Handwerk beherrschen, der andere sich „freischreiben“, wieder ein anderer sich ablenken, und noch ein anderer seine innerste Verfasstheit, über die er nie sprechen würde, literarisch verarbeiten … Der eine schreibt, wenn es ihm gut geht und nur dann, der andere, wenn es ihm schlecht geht und nur dann. Viele ziehen aus dem, was ihnen an Schlechtem widerfährt, eine gewisse Inspiration. Auf jeden Fall scheint mir die Literatur des letzteren Typs in vielerlei Hinsicht die tiefere zu sein. (Diese Tendenz lässt sich auch an den Großen und Alten der Weltliteratur beobachten.)

Ich wage zu behaupten, dass auch Sie zu dieser „Kategorie“ gehören, wenigstens in einem gewissen Maße.

Auch wenn einige Ihrer Texte „leichtfüßig“ daherkommen, oftmals auch mit einer kräftigen Prise Humor gewürzt sind – in allen steckt Tiefe, die es vermag, den Leser bis ins Innerste zu berühren.

Vielleicht liegt es daran, dass Sie trotz der Missstände jeglicher Form, die sie beschreiben, immer einen auffallend menschenfreundlichen Ton bewahren, der zeigt, dass sie das Leben trotz oder vielleicht gerade wegen aller seiner Unbilden lieben und dem Menschen an sich zutrauen, „gut“ zu sein.

Ihre Geschichten verraten neben einem gerüttelt Maß an Lebenserfahrung auch eine sehr feine Beobachtungsgabe verbunden mit einem erstaunlichen Einfühlungsvermögen in andere. Über dieses Vermögen und seine Übersetzung in Sprache gelingt es Ihnen den Leser für die von Ihnen geschaffenen Charaktere einzunehmen.

In handwerklicher Hinsicht begegnet mir in Ihren Geschichten ein nicht alltägliches Talent, das nicht unentdeckt bleiben darf! Sprache und inhaltlicher Aufbau überzeugen vollständig und münden in einem einzigartigen – in Ihrem Stil.

 

Sehr geehrte Frau Kayser,

momentan arbeiten wir an einer Lyrikanthologie; eine Prosaanthologie ist in absehbarer Zeit nicht geplant. Ich werde Ihre Texte aber unbedingt archivieren und sie im Falle eines solchen Verlagsvorhabens einbeziehen.

Inzwischen möchte ich Sie ermuntern, erstens weiterzuschreiben und zweitens weiter zu versuchen, auf sich aufmerksam zu machen. Literaturwettbewerbe sind hierfür der absolut richtige Weg. Bei vielen von ihnen ist es ja Voraussetzung, dass die Texte noch nicht veröffentlicht worden sind.

Geben Sie nicht auf, denn es gehört eine Menge Glück dazu, entdeckt zu werden – und wann das Glück kommt, weiß man nie…

 

Ihnen alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen

 

“Kuriose Mailantworten” von Inge Escher

Von einem sogenannten Druckkostenzuschuss-Verlag, – der an meinem Manuskript sehr großes Interesse gezeigt hatte, – bekam ich ein mächtig überhöhtes Angebot, welches ich dankend ablehnte, weil ich es mir finanziell niemals hätte leisten können. Am selben Tag noch bekam ich diese unverschämte Antwort:

Macht nichts, Ihre Absage, liebe Frau Ines.

In der Regel arbeiten wir umsonst.

Wir wissen, die Gesamtherstellung eines gutgesetzten und korrigierten Buches kostet drei bis fünftausend Euro. Natürlich hat kein Mensch so viele Mäuse für ein Buch. Da ist es besser, er gibt es für Reisen und Lebensmittel aus, damit er gut bei Kräften vielleicht wieder eine neue Anthologie schreiben kann.

Wir verstehen Sie, Kunst ist frei, kostenlos und anerkennenswert. Nun, wir haben Ihnen ein gutes Angebot gemacht, es wurde nichts, das ist sehr traurig, aber, wir wollten wenigstens die Kosten für die Druckmaschinen und die Heizung bezahlen können. Für unbezahlte Arbeit auch noch frieren (wir üben ja schon), es scheint uns zu gelingen.

Freundlichst, der Letzte-Worte-Verlag

 

“Wie ich keine Agatha C. wurde” von Hannelore Kleinschmid

Ich bin ein Feigling. Mit 70 Jahren noch immer.

Darin sehe ich einen wesentlichen Grund, warum mein Lebenstraum nicht in Erfüllung gegangen ist. Während ich mich mit zehn Jahren als Schauspielerin sah, versuchte ich drei Jahre später, Gedichte ins Tagebuch zu schreiben, wobei mir nicht einmal schlichte Reime gelangen. An Schiller oder Büchner gemessen – und ich maß mich! -, blieb nur wenig Zeit, um die Welt mit einem dichterischen Werk  von Rang zu beglücken. Dank meines frühen Verzagens verschonte ich sie jedoch und überließ mich jugendlicher Träumerei.

Später wurde ich bescheidener. Da es in der DDR, in der ich aufgewachsen bin, lange Zeit keine Kriminalromane gab, weil die Theorie besagte, allein der Kapitalismus, nicht aber der Sozialismus gebäre Verbrechen, dachte ich darüber nach, eine Lücke zu füllen und etwas für meine eigenen Lesebedürfnisse zu tun. Bescheidener Weise wollte ich mindestens eine neue Agatha Christie werden, und zwar im Westen, wohin mich Schicksal oder Wille oder ein Quentchen Glück schon  in den ersten Berufsjahren führten. Mehr als Krimis traute ich mir nicht zu, und auch die nur mit so großem Fragezeichen, dass ich mich meistens für die journalistische Arbeit und das Geldverdienen entschied, anstatt auf Papier zu morden. Dennoch schrieb ich schließlich unter einige Manuskripte die vier Buchstaben „ENDE“.

Danach ging es an die Vervielfältigung – noch ohne Computer und Drucker ein umständliches Unterfangen – und darum, einen Verlag für mein Werk zu interessieren. Da das außer mir tagtäglich unzählige Autoren taten, interessierte sich keiner für meine Werke. Aus Kapazitätsgründen blieb wenig Zeit zum Lesen sowie aus Kostengründen zum Drucken.

Zur Feigheit, dass ich es bei einigen Versuchen, also nur wenige Exemplare verschickte, kam auch noch Pech hinzu. Nachdem ich sogar eine Agentin gefunden hatte, die es damals höchst selten gab, verschwand sie plötzlich von der Bildfläche, wohl mit Burnout, das es damals noch gar nicht gab.

Ich hütete die Manuskripte nun eben zu Hause, weil es mir auf diese Weise nicht tagelang schlecht ging, wenn sie heimkehrten. Meine Feigheit entschuldigte ich damit, dass eine verrutschte Bandscheibe sicherlich mit verunglückten Träumen zu tun haben könnte. Jedenfalls blieb ich mein Leben lang keine Krimi-Autorin.

Dafür gab es, als die Kinder klein waren, gute Gründe, Geschichten für sie aufzuschreiben. Schließlich sagte eine Redakteurin, für die ich gelegentlich Beiträge und Kommentare verfasste, sie kenne eine Lektorin, die kenne eine Lektorin von einem Kinderbuchverlag.

Da traute ich mich ein kleines bisschen, und es entstanden drei Bücher mit Anna-Geschichten.    Ich traute mich sogar das erste Kinderbuchmanuskript an einen von mir und den Kindern verehrten Verlag, den mit dem Tier im Namen, zu senden. Es kehrte – wie gewohnt zurück, allerdings sogar mit einer Begründung, in der es hieß:

In Ihrem Manuskript wird die Schlaflosigkeit als ein für Anna böses und die Eltern lästiges Phänomen beschrieben, das besiegt werden muß… Der Text beschränkt sich leider zu sehr auf die Zeit zwischen 6 und 8 Uhr abends. So lernt der Leser Anna nicht kennen…. Ich wollte Sie nicht entmutigen und hoffe auf Ihr Verständnis….   

Entmutigt war ich nur kurze Zeit, da der andere Verlag mich lediglich eine Weile hatte warten lassen, bis das erste Buch erschien. Zu dieser Freude kam späte Genugtuung hinzu,  als der ausführlich begründeten Ablehnung eine Lizenzausgabe aller drei Bücher folgte, wörtlich, ohne jede Veränderung übernommen, allerdings jeweils mit einer einmaligen Honorarzahlung von 500 Mark.

Übrigens blieb ich ein alter Feigling – auf die weibliche Form kann ich getrost verzichten! Auch wenn ich mit Freuden die Möglichkeiten annehme, die die neuen Verlage im Internet bieten, so erröte ich noch im Alter und senke das Haupt, anstatt für mich Werbung zu machen, um Bücher zu verkaufen. Übrigens erröte ich auch und senke das Haupt, wenn ich eigentlich(!) die moderne Technik des Selfpublishing (mit Hilfestellung) beherrschen sollte. Eine Unfähigkeit, die mich teuer zu stehen kommt! Und bewundere ich alle, die sich trauen.

 

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15.07.2014 zuletzt geändert am: 08.11.2018 • Christin Haftmann
Kategorien: Inspiration,
Tags: epubli Autorenerlebnis, Welttag des Buches,