epubli Autorenerlebnisse - Teil 6

Auch Marget Küllmar und Christine Kayser sind unserem Aufruf zum Einsenden der persönlichen Autorenerlebnisse zum Welttag des Buches 2014 nachgekommen und berichten in ihren Ausführungen von ihrem Werdegang zum Autor. Weitere tolle Erlebnisse gibt es im kostenfreien eBook.

 

“Olaf – oder der Versuch berühmt zu werden” von Margret Küllmar

„Was willst du werden?“, wurde Olaf gefragt,

„Berühmt“, hat er bescheiden gesagt,

wie – das würde sich schon ergeben,

Reichtum und Ehre waren sein Streben.

 

Musik – Geige – voller Gefühl virtuos,

jedoch Noten lernen, üben – hoffnungslos,

Sport – Tanzen – sich formvollendet bewegen,

doch sein fülliger Körper war dagegen.

 

Malerei – gegenständlich, abstrakt, naiv,

mangels Talent ging der Versuch schief,

Technik und Forschung – das war sein Ding,

aber leider war dafür sein IQ zu gering.

 

Literatur – mal erotisch, mal mit Witz,

endlich hatte er einen Geistesblitz,

er würde dichten und Romane schreiben,

so der Menschheit in Erinnerung bleiben.

 

Werke – philosophisch, mit Liebe gepaart,

psychologisch aufbereitet – eine ganz neue Art,

Hegel und Freud würden vor Neid erblassen,

ja, solch gewichtige Bücher wollte er verfassen.

 

Nun sitzt er in der Stube wie der arme Poet,

Rotwein trinkend und hoffend, dass was geht,

geringverdienend, unterschätzt und verkannt,

schreibt er bitter seine Memoiren an die Wand.

 

“Umsonst” von Margret Küllmar

Lange habe ich den Computer gequält,

Stunden und Minuten nicht gezählt,

habe häusliche Pflichten verschoben,

weil ich an einem Gedicht gewoben.

 

Formulierte, fabulierte, hatte mich besonnen,

derweil ist mir die Zeit zerronnen,

habe Essen beim Pizzaservice gebucht,

weil ich nach Worten und Reimen gesucht.

 

Auch im Beruf habe ich Mist gebaut,

nach Synonymen geschaut,

lange habe ich mit Buchstaben gerungen,

dann endlich fertig – mein Werk war gelungen.

 

Schickte es zu einem Wettbewerb ein,

glaubte, ich würde die Siegerin sein,

auf die Beurteilung wartete ich gespannt,

Monate später wurde sie gesandt.

 

„Ihr Text ist albern, holprig und laienhaft,

Versmaß stimmt nicht, Test nicht geschafft.“

„Die haben keine Ahnung“; wetterte ich,

ein anderer Verlag nimmt ihn sicherlich.

 

Ja wirklich, den gab es, ich hatte Glück,

voller Hoffnung drückte ich auf Senden – klick

nun ist mein Gedicht im Nirwana verschwunden.

Habe ich dafür mein Gehirn geschunden?

 

“Bücher brachten mich auf den richtigen Weg“ von Christine Kayser

Das Schreiben und Dichten ist meine Leidenschaft. Mit noch nicht mal fünf Jahren konnte ich schon sehr viele Worte schreiben. Hunderte von Fragen bewegten mich täglich. Ich hatte das meiner Mama irgendwie abverlangt. Geduldig wurden sie von ihr beantwortet. Und doch, sie schimpfte oft: „Ich sei neunmalklug und naseweis„ und angeblich sei ich viel zu jung und könnte noch nicht alles verstehen und sollte doch erst mal älter werden.

Doch ich sah das nicht so und sah das auch nicht ein. Ich griff mir heimlich alle Bücher, die mir zwischen die Finger kamen. Mutter ging arbeiten und in der Leihbibliothek, wo ich Bücher holen sollte, wusste man anhand der Bibliothekskartei, was sie schon gelesen hatte und auch gerne las, demzufolge gab man mir alles Ungelesene mit. Natürlich ging das erst durch meine kleinen Kinderhände. Neugierig wie ich war, versuchte ich mir meinen Reim darauf zu machen, auch wenn vieles nicht zu verstehen war.

Ich gab nie auf, selbst in der Schule, wenn ich Bücher heimlich las, indem ich mit einem Ohr dem Unterricht folgte und mit verstohlenen Blicken unter der Schulbank alle Bücher gierig weiter las. Ich konnte beides, zuhören und lesen. So widmete ich mich den Büchern, bis ich entdeckt wurde und mir meine geliebten Bücher weggenommen wurden, die dann meinen Eltern zum Elternabend zurückgegeben wurden. Natürlich gab es ein heftiges „Donnerwetter.“

Irgendwie wurde ich von den Erwachsenen nicht verstanden. Später auch. Mir wurde gesagt: „Bücher seien für mich schädlich, ich würde nur noch lesen, nichts anderes machen, vor mich hin träumen und faul in der Schule sein, weil ich nur noch in den Büchern lebte, lachte, weinte und sogar ganze Nächte durch las, bis es bemerkt wurde. Mutter entfernte alle Lampen. Sie sagte: „Ich sei blass, fahrig und würde verträumt durch den Tag laufen.“ Ich versuchte mit Kerzen weiter zu lesen, die brannten jedoch schnell ab und sie rochen, wenn meine Eltern kontrollierten. Bald las ich mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke weiter.

Erstaunt nahm ich wahr, wie ich plötzlich fließend lesen konnte. Bei Diktaten erhielt ich fast immer nur die Note 1 und meine Aufsätze waren so gut, dass sie in anderen Klassen herum gereicht wurden. Meiner Banknachbarin konnte ich helfen, indem ich während des Diktates ihre Fehler sah und ihr sagte, was sie ändern sollte. Sie bekam bessere Noten, ich einen Eintrag in Betragen. Dafür erhielt sie aber eine Lehrstelle als Gärtnerin, die ich gerne gehabt hätte. „Große, du hast zwei linke Pfoten, sei froh, dass man dich überhaupt nimmt.“ So waren die Worte meines Stiefvaters.

Ich wurde Facharbeiterin für Geflügelzucht. Es war für mich eine schöne und interessante Arbeit und ich zählte sogar zu den Besten. Bei der Bezirks-Spartakiade der Geflügelzüchter gehörte ich zu den ersten drei Gewinnern. Meine Lehrausbilderin weinte vor Freude. Ich hatte vorher Fachliteratur gelesen.

Jeder Beruf hat seine Schattenseiten. So mussten aber auch leider Tiere von mir persönlich getötet werden. Notschlachtungen bei Krankheit oder Verletzungen. Was mir auch nicht gefiel, die Legehennen wurden unter anderem mit viel Antibiotika gefüttert. Es gab Legapan, damit sie mehr Eier legen sollten. Schließlich hingen Därme aus ihrem After und es gab viele Dinge, die ich nicht mehr mit ansehen konnte und begehrte auf.

Ich fühlte mich schuldig. Schließlich schleppte ich einige hundert Küken mit nach Hause, um sie zu retten. Es waren Hähnchenküken, die weil nutzlos, mit kochendem Wasser in großen Kannen übergossen werden sollten. Mutter schlug nur die Hände über den Kopf, als sie mich so ankommen sah. Wir versuchten sie am Leben zu erhalten und zogen sie auf.

Ich schrieb immer alles auf, was mich bewegte. Manchmal verwarf ich es nach späterem Lesen und es wurde zerrissen und landete mitunter im Ofen. Mit Hilfe von Büchern lernte ich noch sehr viel und kann über ein sehr interessantes Leben und Berufsleben berichten.

Mein Ziel, zu schreiben, was mich bewegt, über Menschen, Tiere, Natur, das Leben, das alles konnte ich endlich verwirklichen. So bringe ich seit vielen Jahren unzählige Geschichten aus dem Leben zu Papier und schreibe Gedichte. Mittlerweile kann ich auch auf Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitungen, Zeitschriften und auch in einem eigenen Buch verweisen. Darüber bin ich sehr glücklich und freue mich, dass es ankommt und gerne gelesen wird.

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23.07.2014 zuletzt geändert am: 08.11.2018 • Christin Haftmann
Kategorien: Inspiration,
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