epubli Autorenerlebnisse - Teil 8

Das Thema “Kinder” vereint die Autorenerlebnisse von Margret Laupert, Marissa Conrady und Waltraud Seidel, die sie anlässlich unserer Aktion zum Welttag des Buches 2014 einsendeten. Die besten Einreichungen wurden von epubli in einem eBook zusammengefasst, welches zum kostenlosen Download als ePUB- oder PDF-Datei bereit steht.

“Mein erstes Kinderbuch und der Mut es zu schreiben” von Margret Laupert

Meine erstes Geschreibsel kritzelte ich nicht, wie Joanne K. Rowling, auf eine Serviette in einem Cafe, sondern in ein nicht mal halbvolles Tagebuch, das ich irgendwann mal angefangen, aber nie wirklich ernsthaft geführt hatte.

Es waren kleine unbeholfene Gedichte und eine Kindergeschichte, in der ein furchtloser Goldfisch die Hauptrolle spielte. Gedanklich konnte ich mir sein Königreich in dem kleinen Teich, umrahmt von hundertjährigen Kastanienbäumen und im Schatten einer noch älteren Klosterkirche genau vorstellen, mit allen auch noch so winzigen Einzelheiten. Zeichnen konnte ich nicht, und so blieb nur der klägliche Versuch diese vielen, großen und kleinen Details beschreibend zu Papier zu bringen. Jede Nacht träumte ich mir die Abenteuer “König Zyprindos” und seiner Untertanen zurecht. Die Gefahren durch Fischreiher, die starr am Ufer auf Beute warteten, oder die Schockwellen, die wild durchs Wasser paddelnde Hunde auslösten, die “Stöckchen” holten, welche ihre Besitzer fröhlich ins Wasser warfen. Von Männern, die sehr früh morgens mit Angeln kamen, und von den Revierkämpfen der bunten Libellen. Oder der Sommer, in dem “Elodea”, die Wasserpest, den Teich fast erstickt hätte. Es gab Wasserschneckenrennen, die sich hinziehen konnten und Froschkonzerte die, die nächsten Anwohner des Teiches zu Verzweiflungstaten hinreißen ließen. Das größte Ereignis einmal im Jahr aber war die “Wassertrachtenshow”. Die Wahl zum schönsten männlichen Molch im Teich. Jeder männliche Molch, der was auf sich hielt, zeigte sich dann von seiner schönsten Unterseite. Die originellste Bauchfläche wurde dann per Abstimmung aller Zuschauer durch heftiges  Flossen- oder Flügelschlagen prämiert. Hierzu putzen selbst die Wasserschnecken ihre Häuser. Alle Tiere des Teiches wollten dabei sein, sogar die quirligen Wasserflöhe. Und da war Max. Max war ein ganz außergewöhnlicher Junge. Er konnte die Sprache der Tiere. Er sprach RANA mit den Fröschen, PULMATA mit den Schnecken und URODELA mit den Molchen. Mit allen anderen Teichwesen sprach er deren Sprache. Untereinander unterhielten sich die verschiedenen Tierarten allerdings auf ANATA, was die offizielle Wassersprache des Reiches war. Max sprach selbstverständlich auch diese Sprache, die jeder Teichbewohner erlernen musste. Auch die Tiere, die irgendwann dort ausgesetzt wurden, wie die greise Schildkröte Chelona. In ihrem hohen Alter fiel ihr das Erlernen einer neuen Sprache sichtlich schwer, und so sorgte sie manches Mal für eine unfreiwillige Belustigung der anderen, weil sie ständig Worte verwechselte. Über dieser ganzen wundersamen Welt wachten zwei humorvolle, weise Wasserelfen, Aqua und Ite …

Als dieses Tagebuch meinem Sohn eines Tages, bei der Entsorgung „alten Plunders“ aus dem Keller, in die Hände fiel, erinnerte er sich sofort an all die Geschichten und Figuren. „Sag mal Ma, Du hast uns stundenlang die Geschichten vorgelesen und dabei immer in diesem Buch geblättert. Jeden Tag eine neue, immer fortlaufend. Wieso stehen da nur die Anfänge, wo sind die Geschichten hin. „Sie sind alle in meinem Kopf“, mein Liebling.

In null Komma nichts hatte mein Sohn die Texte „eingescannt“, sodass ich diese  tatsächlich zu Ende bringen konnte. Dann hat er das Manuskript einem Kinderbuchverlag geschickt. Auf Antwort warte ich noch.

Autoren-Erlebnisse von InEsAnthologien

“Bilanz” von Marissa Conrady

Nur Worte

habe ich

in die Welt gesetzt

Keines davon

wird mich

später Mama nennen

Viele Bücher

stauben ein

in meinen Regalen

Kein Kind kommt

später zu Besuch

 

“Ein Buch mit sieben Siegeln” von Waltraud Seidel

„Omi, was hat denn die Irina Korschunow noch geschrieben?“, aufgeregt saust mir die Siebenjährige aus der Schule entgegen. Der „Findefuchs“ hatte es ihr angetan.

So viel literarisches Interesse muss belohnt werden! Ich google nach einem für Kinder geschriebenen Lexikon der Kinderbuchautoren, suche ein für das jüngere Schulalter informatives, attraktiv gestaltetes Nachschlagewerk, nach dem Kinderhände gerne greifen.

Denkste! Kinderlexika in Hülle und Fülle! Alles ist zu finden für kleine Techniker, für Fahrzeug- und Flugzeugbegeisterte. Mehr noch für Naturwissenschaftler in spe, für junge Historiker, Archäologen…

Ich glaub es nicht! Soll tatsächlich noch kein deutscher Kinderbuchverlag diese Marktlücke entdeckt haben? Wäre nicht gerade das seine ureigenste Aufgabe? Ist denn die Zahl der kleinen Leseratten und Bücherwürmer tatsächlich so viel geringer als die junger Botaniker, Historiker oder gar Astrologen?

Setzt dich ran, altes Haus, sage ich mir. Deine Erfahrungen als Schulbuchautorin wirst du nutzen können. Eine kleine Kinderjury zwischen acht und elf Jahren hilft bei der Auswahl der vorzustellenden Autoren und ansprechender Textauszüge aus deren Werken.

Grimms Märchen, das ist für alle ein Begriff, weniger schon H.C. Andersen oder Wilhelm Hauff.

Auch Max und Moritz kennen sie. Was für ein Mensch aber war dieser Wilhelm Busch und welche Bildgeschichten verdanken wir ihm noch? Gibt es vielleicht sogar eine Verbindung zu unseren heutigen Comics? Dazu Lesetipps, die Eltern, Großeltern, Freunde und Verwandte bei der Geschenkauswahl beraten. Ein Buch für Kinder und Eltern soll es werden, auch zum gemeinsamen Blättern und Verweilen, zum Lesen und Vorlesen, – ein Mehrgenerationenbuch.

Ich nahm Kontakt auf zu erfolgreichen Kinderbuchautoren, nutzte dankbar deren Hinweise, auch persönliche Fotos für den biografischen Teil. Fertig!

Schön wär’s! Lizenzen für die Textauszüge gab’s anders als bei den Schulbüchern nicht über VG Wort. Und dann erst die Verlagssuche! Wie sehnte ich mich nach der Zeit als Schulbuchautorin zurück! Fast wollte ich aufgeben. Dann interessierte sich ein kleiner Verlag, aber vielleicht mit finanzieller Unterstützung durch Sponsoren?!

Im Ort wurde ein 100-jähriges Firmenjubiläum vorbereitet. „Die Festrede, würden Sie…?“

Firmenjubiläum! Vertreter anderer Firmen würden gratulieren, potentielle Sponsoren! Ich sagte zu, hielt die Rede, beifallsbedacht, Gott sei Dank! So wagte ich das eine oder andere Gespräch, vorsichtig, zunächst wenig hoffnungsvoll. Verdammte Bettelei!

„Aber klar!“, sagte mir ein freundlicher Jungunternehmer, „das machen wir selbst. Layouter, Illustrator, alles da.“ Beeindruckend das erste Gespräch. Ich hatte wohl das große Los gezogen?! Schon lagen die ersten Entwürfe vor, faszinierend, meisterhaft illustriert. Nach wenigen Wochen konnte ich allem zustimmen, das Probeexemplar übertraf die Erwartungen. Nur das Format! Etwas kleiner wäre bücherregal-tauglicher, kinderfreundlicher oder? Mein zaghafter Einwurf wurde überhört: Wenn schon, denn schon! Okay! Es sind junge Leute!

Wie bald aber war es vergessen, das: „Bringen wir selber raus.“

Mit einem zwar traumhaft schönen, leider etwas überdimensionierten Probeexemplar ging ich erneut auf Verlagssuche. Zuerst überall Begeisterung. Beim Überschlagen der Finanzlage dann: „Bedaure!“ Mitunter sofort, mitunter Tage später.

Fast hätte es doch geklappt, aber beim Einholen der Lizenzen der Schock. Vereinzelt hieß es: „Nein, Textausschnitt nur mit unseren Originalillustrationen!“ Unvorstellbar! Teils so, teils so illustriert?

Solch einen Stilbruch lasse ich nicht zu. Der junge Illustrator hatte zwischenzeitlich eine beachtliche künstlerische Karriere gemacht, stellt im Ausland aus, lebt seither in der Schweiz.

Nie mehr wird er ein Kinderbuch illustrieren. Ein Unikat liegt vor mir, wird es wohl für immer bleiben, – ein Buch mit sieben Siegeln! Geöffnet lediglich zum alleinigen Gebrauch durch meine Enkel. Die sind jetzt der Zielgruppe Grundschulkind bereits entwachsen.

Omas literarische Berieselung aber hatte offensichtlich Früchte getragen, beide Kinder schreiben seit einiger Zeit eigene Geschichten, manches schon veröffentlicht, online, aber auch in Anthologien.

Pfiffig ihr Gedanke: Wir schreiben Geschichten zu den Illustrationen. Und ihre Freundinnen schreiben mit: Kinder schreiben für Kinder! Der Oma bleibt das Lektorat.

Nun lesen wir von dem Mädchen, das unglücklich ist über ihren Vornamen „Ronja“, weil sie nur Räubertochter genannt wird, von einer Klassenfahrt nach Kopenhagen, wo Nuria an der Uferpromenade mit Blick auf die Bronzestatue das Märchen von der kleinen Meerjungfrau erzählt oder wie ein gemeinsames Referat über Otfried Preußler entsteht…

Wo aber bleibt der passende Verlag? Keine Aussicht!

„Und EPUBLI?“ fragen die Kinder.

Format zu groß! Leider! So bleibt es halt ein Buch mit sieben Siegeln.

 

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07.08.2014 zuletzt geändert am: 08.11.2018 • Christin Haftmann
Kategorien: Inspiration,
Tags: epubli Autorenerlebnis, Welttag des Buches,