Viele Buchpreise und noch mehr Schreibwettbewerbe

Freitags-Post vom 10.7.

Preise über Preise

Die letze Woche stand ganz im Zeichen der Buchpreise: Beim alljährlichen Wettlesen in Klagenfurt wurde Nora Gomringer, eigentlich Lyrikerin, für ihren Prosa-Text “Recherche” mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Der Schriftsteller Rainald Goetz bekam den Georg-Büchner-Preis, den mit 50.000 Euro höchstdotierten Literaturpreis, verliehen – das “wurde auch Zeit”, urteilt etwa der Tagesspiegel. Unter den Preisgekrönten befindet sich auch eine Self-Publisherin: Die Hamburger Journalistin Bettina Schäfer wurde in Los Angeles mit dem International Book Award in der Kategorie “Biography” geehrt. Die Journalistin erhielt ihn für ihr Buch “Ich bleibe Optimist, trotz allem” über den israelischen Diplomaten Noah Flug.

Selber Preise gewinnen

Wer bei diesem wahren Preissegen auf den Geschmack gekommen ist, hat die Möglichkeit, sich gleich bei vier Wettbewerben auszutoben:

  1. Bei dem von epubli und der Schule des Schreibens veranstalteten Schreibwettbewerb können Autoren ihre Prosatexte zum Thema “Feldforschung” bis zum 15.9. einreichen.
  2. Der Piper Verlag hat zusammen mit der Social Reading-/Writing-Plattform Wattpad zum zweiten Mal einen Wettbewerb ausgerufen. Unter dem Motto #erzaehluns2 kann man sich bis zum 17.10. mit seinem Text bewerben.
  3. Nachwuchsautoren zwischen 13 und 18 Jahren haben noch bis zum 17.7. (Achtung, bald!) die Möglichkeit, ihre Kurzkrimis beim Kölner Junge Autoren Award einzureichen, der vom Verlag 1318 im Rahmen des Crime Cologne Festivals ausgelobt wird.
  4. Amazon ruft zur Teilnahme am Deutschen Self-Publishing Award auf. Wer teilnehmen möchte, muss bis zum 15.9. ein ganzes Buch geschrieben haben, denn bis dahin können – ausschließlich unveröffentlichte – Bücher eingereicht werden. Wolfgang Tischer vom literaturcafé nimmt die Ausschreibung durchaus kritisch unter die Lupe.

Neues Honorarmodell für Amazon-Leihbibliothek

Bleiben wir bei Amazon: Der Konzern hat zum 1. Juli ein neues Vergütungsmodell für seine Leihbibliothek kindle unlimited gestartet. Autoren werden zukünftig nicht mehr nach Anzahl der geliehenen (und zu mindestens 10% gelesenen) eBooks, sondern nach Anzahl der gelesenen Seiten bezahlt. Was das für einen Unterschied für die Autoren macht? Unter Umständen einen sehr großen! Pro gelesener Seite kann ein Self-Publisher mit etwa 0,5 Cent Vergütung rechnen. Je nachdem, wie umfangreich Ihre Bücher sind, ergeben sich mehr oder weniger stark abweichende Honorare. Mehr Informationen zur neuen Honorarberechnung stellt Matthias Matting auf seinem Blog selfpublisherbibel.de zur Verfügung. Während Matting die Änderungen eher gelassen sieht, kritisiert der Verband Deutscher Schriftsteller (VS), dass die Leser durch das neue System einer noch größeren Kontrolle unterliegen. Sprecherin Eva Leipprand befürchtet einen “Eingriff in den intimen Dialog des Lesers mit dem Buch”.

Ist mein Buchcover gut?

Wer unsicher ist, ob er mit der Wahl seines Buchcovers den richtigen Nerv bei den Lesern trifft, hat die Möglichkeit, das selbst produzierte oder vom Grafiker erstellte Cover auf der neuen Plattform www.cover-bewerten.de hochzuladen und von einer Community beurteilen zu lassen. Eine Hand wäscht die andere: Das Prinzip funktioniert nur, wenn man selbst bereit ist, auch die Entwürfe anderer zu beurteilen!

Tipps für Sachbuch-Lesungen

Literarische Lesungen sind leichter zu bewerben und umzusetzen als Sachbuch-Veranstaltungen? Stimmt nicht! Man sollte – laut Börsenblatt – nur ein paar Dinge beachten.

  • Wenn die Veranstaltung in einer Buchhandlung stattfindet, sollte man ihr genügend Info- und Werbematerial zur Verfügung stellen. So kann die Lesung gut sichtbar im Schaufenster angekündigt werden, Flyer können den Kunden beim Buchkauf mitgegeben werden.
  • Ein griffiger, witziger Slogan kann Wunder wirken – auch bei einem eher trockenen, ernsten Wissenschaftsthema. In einer Göttinger Buchhandlung wurde eine Lesung zu einem neruowissenschaftlichen Buch mit dem Slogan “Etwas mehr Hirn, bitte” beworben: Der Spruch prangte auf roten Ansteckern und auf großen Plakaten – und kam bei den Kunden gut an.
  • Gerade bei sehr zielgruppenspezifischen Themen ist es sinnvoll, sich – neben der Buchhandlung – einen weiteren lokalen Kooperationspartner oder gar Mitveranstalter zu suchen, der einem hilft, die Werbetrommel zu rühren und unter Umständen sogar für ein größeres Budget sorgt. Außerdem kann er der Veranstaltung zu mehr Schwung verhelfen: So wurde ein Abend zum Thema Demenz in einer Bruchsaler Buchhandlung durch die Teilnahme einer örtlich aktiven Gruppe Angehöriger von Demenzkranken lebhaft unterstützt.
  • Der Mix macht’s: Wer fürchtet, sein Sachbuchthema allein sei zu trocken für einen ganzen Abend, kann sich mit einem Autor eines belletristisches Buches zu einem ähnlichen Thema zusammentun.

Ein Hinweis in eigener Sache: Der Freitags-Post erscheint künftig nicht mehr wöchentlich, sondern einmal im Monat. Meine Kollegin Jana Luck wird immer am 2. Freitag des Monats über die neuesten Nachrichten aus der Buch- und Self-Publishing-Branche berichten. Dass sie das ganz hervorragend kann, hat sie bereits gezeigt.

Zum Schluss noch ein paar schöne Worte über das Lesen, geäußert vom Schauspieler Florian David Fitz, einem von elf neuen prominenten Botschaftern der Stiftung Lesen: „Ohne Bücher – ich wüsste nicht, wo ich wäre. Also lest, Leute, Kinder, Alte! Lest um Euer Leben. Das Leben ist so viel größer, breiter, tiefer als unser kleines, tägliches Kleinklein!” Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen! : )


10.07.2015 zuletzt geändert am: 06.12.2018 • Leonie Langer
Kategorien: Aktuelles, Neuigkeiten,
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