Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung: Die Vorteile korrekter Sprachverwendung - Gastbeitrag von Marieke Kühne

Marieke Kühne

Marieke Kühne ist unter dem Namen textzucker als freie Lektorin und Korrektorin tätig. Sie bearbeitet mit viel Liebe und Leidenschaft Romane, Sachbücher, Spiele sowie diverse andere Textsorten und bietet auch individuelle Schreibcoachings an.

 
 
 

Wieso korrekte Sprache so wichtig ist

Schreibfehler lösen etwas in uns aus. Während vereinzelte Tippfehler oft überlesen oder als nicht schlimm erachtet werden, können häufige oder schwere Fehler zum Problem werden. In Romanen bringen sie uns dazu, das Buch zur Seite zu legen oder schlechter zu bewerten. Macht ein Unternehmen auf der Homepage viele Fehler, vermuten wir, dass es unseriös ist. In diesem Artikel gehe ich genauer darauf ein, warum es erstrebenswert ist, fehlerfreie Texte zu veröffentlichen und gebe anschließend Tipps, wie Sie Ihre Texte verbessern können.
Vorweg möchte ich noch anmerken, dass es nahezu unmöglich ist, jeden Fehler in einem langen Manuskript zu finden. Selbst nach mehreren Durchgängen bleiben in der Regel ein paar Fehler übrig und das ist auch in Ordnung. Es gilt lediglich, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

 
 

Die vier Säulen korrekter Texte

Warum die korrekte Verwendung von Sprache so wichtig ist, fasse ich im Folgenden in vier zentralen Punkten zusammen:
 

Nummer 1 Professionalität

Sie durchstöbern auf der Suche nach Inspiration die Websites anderer Autor*innen. Schließlich stoßen Sie auf eine schön designte Seite und lesen:

»Mia Musterfrauschreibt schon seid Ihrem Zehnten Lebensjahr Romane und Kurzgeshichten.«

Würden Sie ein Buch dieser Autorin kaufen? Vermutlich nicht. Wenn ihre Website so fehlerhaft ist, sind es ihre Bücher wahrscheinlich auch. Der Text macht einen unprofessionellen und unseriösen Eindruck. Es wirkt, als wäre er in Eile produziert und kaum überarbeitet worden. Wenn sich jemand so wenig Mühe mit Rechtschreibung und Grammatik gibt, ist naheliegend, dass auch der Inhalt mangelhaft ist.

Dagegen machen fehlerfreie Texte einen positiven Eindruck. Hier nehmen Sie wahrscheinlich eher an, dass der Mensch dahinter auch in anderen Bereichen gründlich und professionell ist. Damit komme ich zum nächsten Punkt:

 
 

Nummer 2 Wertschätzung

Wenn ich einen Roman lese, der vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotzt, gehe ich davon aus, dass die Person, die ihn geschrieben hat, wenig Zeit oder Geld investiert hat. Ich fühle mich als Leserin nicht wertgeschätzt. Warum sollte ich mir die Mühe machen, ein Buch zu lesen, wenn sich die oder der Schreibende auch keine gemacht hat?
Ist ein Roman hingegen fehlerfrei, macht das Lesen Freude und eine Weiterempfehlung ist wahrscheinlicher.

 
 

Nummer 3 Leserfreundlichkeit

Die Heldin schleicht durch die Katakomben der Stadt, sie hört Kampfgeräusche. Sie sind sich ziemlich sicher, dass gleich etwas passieren wird, blättern gespannt weiter, das Lesetempo steigt. Dann lesen Sie den verhängnisvollen Satz:

»Und blötzlich spürte sie ein ein Messern an der Kehle.«

Fehler unterbrechen den Lesefluss, sie reißen aus der Handlung und lenken vom Inhalt ab. Manche Leser*innen schaffen es, sie zu ignorieren, andere legen das Buch zur Seite. In jedem Fall unterstützen Fehler das Leseerlebnis nicht.
Ist das Buch korrekt geschrieben, können Sie sich ganz in die Handlung fallen lassen und geraten nicht immer wieder ins Stocken.

 
 

Nummer 4 Verständlichkeit

Manche Fehler sorgen dafür, dass der Inhalt nicht oder schwer verständlich ist. Das passiert unter anderem, wenn in langen Sätzen die Kommata fehlen. Hier ein Beispiel:

»Maria las das Buch auf dem Schoß ihrer Schwester eine Geschichte vor.«

Ohne Kommata ist dieser Satz verwirrend. Auf den ersten Blick ist nicht klar, auf wessen Schoß das Buch liegt, das Maria liest. Die Situation wird erst verständlich, wenn die entsprechenden Kommata gesetzt werden:

»Maria las, das Buch auf dem Schoß, ihrer Schwester eine Geschichte vor.«

Auch durch Grammatik- und Rechtschreibfehler kann es zu Unklarheiten kommen. Um diese zu vermeiden, können Sie folgende Tipps ausprobieren.

 
 

Wie Sie Ihre Texte verbessern können

Hier präsentiere ich Ihnen fünf Punkte, die Sie beachten können, um Ihre Texte aufs nächste Level zu heben:

Nummer 1 Nachschlagen, nachschlagen, nachschlagen!

Ich verrate Ihnen nun ein gut gehütetes Geheimnis: auch ich als Lektorin schlage Schreibweisen und Regeln nach. Niemand ist perfekt, Fehler können passieren. Es gilt, die eigenen Schwächen zu akzeptieren und daran zu arbeiten. Durch wiederholtes Nachschlagen bleibt die richtige Schreibweise irgendwann hängen.

Der Online-Duden ist beispielsweise ein nützliches Gratistool, Sie können aber auch jedes aktuelle Wörterbuch verwenden. Auf korrekturen.de werden richtige und falsche Schreibweisen gegenübergestellt. Diese Seite bietet sich an, um Rechtschreibmythen aus dem Weg zu räumen.

Auf Twitter gebe ich als @textzucker täglich Schreibtipps. Ich freue mich, wenn Sie mir folgen und mit mir gemeinsam Neues zu den Themen „Rechtschreibung“, „Grammatik“ und „Zeichensetzung“ lernen!

 
 

Nummer 2Liste mit häufigen Fehlern

Legen Sie eine Liste mit den Begriffen an, die Sie häufig falsch schreiben. Durch das Niederschreiben und häufige Durchlesen können Sie Ihre Fähigkeiten mit der Zeit immer weiter verbessern. Wenn Sie eine Schreibweise im Schlaf beherrschen, können Sie das jeweilige Wort von der Liste streichen. Sie können auch Grammatik- und Kommaregeln notieren, die Sie immer wieder vergessen.

 
 

Nummer 3 Korrekturlesen

Es ist schwierig, die eigenen Texte zu korrigieren. Dadurch, dass Sie sie schon etliche Male gelesen haben, übersehen Sie Fehler – Ihr Gehirn hat quasi eine eingebaute Autokorrektur. Mit kleinen Tricks können Sie sich selbst überlisten und die Korrektur effektiver gestalten.

  • Ausdrucken: Drucken Sie Ihr Manuskript aus und lesen Sie es so noch einmal durch. Vielen fällt das Korrekturlesen auf Papier leichter.
  • Umformatieren: Verändern Sie Schriftart und Schriftgröße. Durch die Veränderung des Schriftbildes ist es einfacher, Fehler zu erkennen.
  • Leserichtung: Versuchen Sie, Ihr Manuskript von hinten nach vorne zu lesen! Nicht Satz für Satz, aber beispielsweise Absatz für Absatz oder Kapitel für Kapitel. So konzentrieren Sie sich weniger auf den Inhalt, weil der Zusammenhang fehlt.

 
 

Nummer 4 Professionelles Lektorat und Korrektorat

Bevor Sie ein Buch herausbringen, sollten Sie es professionell lektorieren und korrigieren lassen. Im Lektorat werden hauptsächlich Inhalt und Stil überarbeitet, im Korrektorat werden Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung korrigiert. Beide Bereiche sind wichtig, um ein hochwertiges, gut lesbares Buch zu gestalten. Ja, das ist nicht billig, doch es lohnt sich, dafür zu sparen. Es wertet Ihr Manuskript enorm auf und wird Ihnen und allen Lesenden so wesentlich mehr Freude bereiten. Achten Sie darauf, Lektorat und Korrektorat rechtzeitig zu buchen – oft gibt es Wartezeiten von mehreren Monaten.

 
 

Nummer 5 Schreibcoaching

Haben Sie Schreibschwächen, an denen Sie gerne arbeiten würden? Dann ist eventuell ein Schreibcoaching die richtige Wahl für Sie. Notieren Sie die Bereiche, an denen Sie gerne arbeiten würden und wenden Sie sich an den Schreibcoach Ihrer Wahl oder nehmen Sie an Seminaren und Workshops teil. Oft bieten auch Lektor*innen individuell zugeschnittene Schreibcoachings an.

 
 
Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Relevanz der korrekten und einheitlichen Verwendung von Sprache verdeutlichen und Ihnen ein paar nützliche Ratschläge mit auf den Weg geben. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf dem Weg zu Ihrem (nahezu) fehlerfreien Roman!

 
 


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24.10.2019 zuletzt geändert am: 28.10.2019 • epubli
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