10 Fragen an Nora Bendzko

10 Fragen an Nora Bendzko

Geschrieben hat die Münchnerin Nora Bendzko von Kindheit an, meist fantastische Texte. Einmal begonnen, hat das Schreiben sie nicht mehr losgelassen. Der Wunsch, Literatur zu einem festen Bestandteil ihres Lebens zu machen, brachte sie nach Wien, wo sie seither die Deutsche Philologie studiert. Zusätzlich moderiert sie im Rindlerwahn-Autorenforum und arbeitet nebenbei als Lektorin. Der erste Band ihrer dunkelfantastischen »Galgenmärchen«-Thriller, »Wolfssucht«, gelangte in die Top 5 vom Deutschen Phantastik Preis 2017. Der zweite Band »Kindsräuber« steht auf der Shortlist vom Seraph 2018 als »Bester Independent Titel«. Neben dem Schreiben zählt das Singen zu ihren größten Leidenschaften. Beide Passionen darf sie in den Metal-Bands »Avem« und »Nightmarcher« ausleben.

Der neunte Band der epubli Jubiläumsedition

Die Novelle “Wolfssucht” von Nora Bendzko wurde im Jahre 2017 erstmals auf epubli veröffentlicht. Im Rahmen der “10 Jahre epubli Jubiläumsedition” wurde das Buch nun im Jubiläumsdesign neu veröffentlicht.
Die epubli Jubiläumsedition besteht aus zehn herausragenden Belletristik-Titeln unserer erfolgreichsten Self-Publishing-Autoren, die ab sofort im epubli-Shop und im Buchhandel bestellbar sind. Bei Bestellung über den epubli-Shop erfolgt die Lieferung zu Ihnen nach Hause bei Nutzung des Gutscheincodes “epubli-se10vkf” versandkostenfrei*.

10 Jahre epubli Jubiläumsedition – 10 herausragende Bücher


Was macht Ihr Buch “Wolfssucht” für Sie besonders? Was ist die Geschichte hinter dem Buch?
„Wolfssucht“ ist tatsächlich ein sehr besonderes Buch für mich. Nicht nur, dass ich mich mit der Novelle in die Welt des Selfpublishings gewagt habe, sie begann auch meine Galgenmärchen-Reihe, an der ich bis heute schreibe. Ich verdanke ihr meine ersten Stammleser und wunderbare kritische Erfolge, unter anderem eine Nominierung für den Deutschen Phantastik Preis als „Beste deutschsprachige Kurzgeschichte“. Vor „Wolfssucht“ habe ich nur im stillen Kämmerlein gesessen, dann und wann eine Kurzgeschichte veröffentlicht oder an meinen großen Manuskripten gearbeitet. Nach der Veröffentlichung der Novelle fühle ich mich endlich als vollumfängliche Autorin.

Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten 10 Jahren für Autoren in der Buchbranche verändert?
Ich bin mit meinen 22 Jahren ein sehr junges Licht in der Branche, also kann ich hier auf keine eigenen Erfahrungen zurückblicken. Aber frau sieht sich doch um und macht sich Gedanken. Mitunter ist deutlich zu sehen, wie die Digitalisierung den Buchmarkt verändert: E-Books, Social Media, et cetera. Die Branche ist längst nicht mehr auf Printmedien, Buchhändler, Feuilletons und Buchmessen beschränkt. Dadurch, dass die Distanz zwischen Lesenden und Schreibenden immer mehr im Internet verschwindet und plötzlich viel mehr junge Leute, gerade in der Buchblogging-Szene, mitbestimmen, kommt frischer Wind rein. Einige alte Hasen mag das verunsichern, ich begrüßte es sehr. Der deutsche Buchmarkt, der für meinen Geschmack zu engstirnig in triviale und hohe Literatur einteilt, oft um sich selbst kreist und nicht allzu oft Anderes wagt, wird nun demokratischer und zu neuen Bewegungen gezwungen.

Wie und wo holen Sie sich Ideen und Inspiration zum Schreiben?
Ich lasse mich vom Alltag und vom Weltgeschehen inspirieren. Manchmal bewegen mich nur kleine Begegnungen mit anderen Menschen, manchmal aktuelle politische Probleme. In meinen Büchern mischt sich das alles zu einem dunkelbunten Potpourri zusammen. Ab und zu habe ich das Glück, intensive Träume zu haben. Ich habe schon ganze Szenen oder Buchideen geträumt und einige von ihnen bereits verwirklicht.

Welche Tipps können Sie anderen Autoren zum Schreiben und zum Organisieren ihres Schreib-Alltags geben?
Die goldene Regel: Tu jeden Tag etwas für dein Schreiben. Das muss nicht Schreiben an sich sein. Auch Überarbeiten, Recherche, kollegialer Austausch, Weiterbildung oder einfach Lesen gehören dazu. Hilfreich ist eine gewisse Routine, und sei es nur, dass du dir eine Stunde Zeit am Tag nimmst, um mindestens eine Seite zu schreiben.

Was macht in Ihren Augen ein gutes Buchcover aus? Welche Empfehlungen würden Sie anderen Autoren für die Buchgestaltung geben?
Ein gutes Cover muss professionell und ansprechend gestaltet sein. Darüber hinaus sollte es halten, was es verspricht. Keine Mogelpackungen! Für mich komplimentiert ein gutes Cover auf kreative Art den Inhalt. Meine klare Empfehlung an andere Autorinnen und Autoren: Sucht euch einen passenden Designer zur dauerhaften Zusammenarbeit. Viele Selfpublisher vernachlässigen das Cover und schustern es unprofessionell selbst zusammen, um Geld zu sparen. (Mit Ausnahme der wenigen Schreiberlinge, die sich mit Grafik-Design beschäftigen und tatsächlich großartige Cover eigens für ihre Werke basteln – da bin ich immer neidisch!) Das finde ich sehr schade und an falscher Stelle gespart. Eine gute Geschichte hat ein gutes Cover verdient. Was nicht nur meine persönliche Meinung ist, sondern auch die der breiten Leserschaft: Es ist statistisch erwiesen, dass das Cover zu den wichtigsten Marketing-Instrumenten gehört. Ein schlechtes, unprofessionelles Cover verringert die Verkaufschancen ungemein.

Wieso haben Sie sich dafür entschieden, Ihr Buch selbst zu veröffentlichen? Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile des Self-Publishings?
Das ist eine längere Geschichte. Ursprünglich habe ich „Wolfssucht“ für die Ausschreibung eines Verlags geschrieben. Gesucht waren Märchenadaptionen im Fantasy-Bereich. Die Idee zu „Wolfssucht“ hatte ich schon länger, also wollte ich mein Glück versuchen. Doch dann kam alles anders: Die Verlegerin wurde schwer krank, der Verlag kam zum Stillstand. Ein Gewinner der Ausschreibung wurde nie gekürt. Da stand ich also mit meinem Manuskript, das nicht einmal die Chance bekommen hatte, gesichtet zu werden. Aber ich liebte meine dunkle Story zu sehr, um sie in die Schublade zu verbannen. Da kam mir der Gedanke: Warum nicht selbst veröffentlichen? Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon öfter mit Selfpublishing geliebäugelt, kannte da mehrere erfolgreiche Kolleginnen. Also wagte ich den Sprung ins kalte Wasser – und habe ihn nie bereut. Mit den Galgenmärchen veröffentliche ich inzwischen eine ganze Reihe selbst. Der größte Vorteil davon ist meine Unabhängigkeit. Ich bin meine eigene Herrin, kann von Deadlines und Cover bis zur Lektorin alles bestimmen. Das ist mir bei dem eigenen Konzept der Galgenmärchen –dunkelfantastische Thriller-Adaptionen der Brüder Grimm zur Zeit des 30-jährigen Krieges –besonders wichtig. Für einen Verlag hätte ich sie vielleicht in ein glättendes Korsett zwängen müssen, doch im Selfpublishing kann ich sie genauso umsetzen, wie ich es mir vorstelle.

Basierend auf Ihren Erfahrungen – welchen Rat würden Sie anderen Autoren für die Veröffentlichung Ihres Buches mit auf den Weg geben?
Wenn ein Manuskript fertiggeschrieben ist, steht es eigentlich erst am Anfang. Sag dir nicht: Ach, Überarbeiten mag ich nicht so, das passt schon – nein! Dein Buch ist, was du daraus machst. Das gilt übrigens nicht nur fürs Selfpublishing, sondern auch für den Verlag. Gib dich nicht der Illusion hin, dass es nur auf die grobe Idee ankommt und irgendjemand schon deinen Roman zurechtbiegen wird. Sei aber auch nicht zu hart mit dir selbst, wenn dir (Anfänger)Fehler passieren. Die machen wir alle. Entscheidend ist, ob und was du aus ihnen machst und für die Zukunft aus ihnen lernst.

Welche Marketing-Strategie verfolgen Sie online und offline? Mit welchen Maßnahmen haben Sie die besten Ergebnisse erzielt?
Ich pflege mehrere Online-Auftritte: Homepage, Facebook, Twitter. Darüber hinaus einen Newsletter. Neben dem regelmäßigen Bespielen dieser Kanäle, wo sich meine Stammleser aufhalten, plane ich Aktionen zu jedem Buch. Das kann ein digitaler Release sein, eine Lesung oder ein besonderes Gewinnspiel. Zum Standardprozedere gehört hier das Anfragen für Rezensionen bei Bloggenden und Zeitschriften. Seit neuestem habe ich außerdem ein Blogger-Team, dessen Mitglieder meine Veröffentlichungen vorab rezensieren und sich für Aktionen mit mir vernetzen können. Die Kooperation mit Bloggerinnen und Bloggern habe ich überhaupt immer fruchtbar empfunden, besonders in Form spezieller Interviews, Blogparaden oder Artikelserien. Die ziehen jedes Mal größere Kreise. Bisheriges Highlight war die Online-Lesung, die ich organisiert habe, als mein Galgenmärchen „Kindsräuber“ für den Seraph Phantastik Preis nominiert wurde. Ich konnte alle Nominierten in der Kategorie „Bester Independent Titel“ dafür gewinnen, das war verdammt großartig. Und ich investiere natürlich in meine Bücher. Sie bekommen mindestens Korrektorat, wenn nicht Lektorat. Ein eigener Designer zeichnet für die Galgenmärchen-Reihe. Seine Bilder verwende ich nicht nur für die Bücher und meine Online-Präsenz, sondern auch für Merchandise wie Galgenmärchen-Tassen, Postkarten und Lesezeichen. Offline beschränken sich meine Auftritte auf Buchmessen, die immer mehr werden. Dieses Jahr möchte ich erstmals mehrere Lesungen abhalten und bin sehr gespannt darauf. Da ich auch als Sängerin tätig bin, verkaufe ich nebenbei Bücher und Merchandise auf Konzerten. Meine dunklen Galgenmärchen passen gut zu der Rock- und Metal-Szene, in der ich mich bewege.

Stichwort “Der Autor als Marke”: Welche Tipps würden Sie Autoren für ihre Selbstvermarktung mitgeben?
Auch wenn das abgedroschen klingen mag: Sei du selbst! Die Leute merken, wenn du dich verstellst und zu verkrampfst versuchst, dich zu verkaufen. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass andere auf bestimmte Seiten von dir besonders gut anspringen. Diese Seite gilt es herauszuarbeiten – voilà! Du hast deine Autorenmarke. Finde heraus, was dich und deine Werke besonders macht, bringe das hervor, und du hast schon gewonnen. Außerdem ist ein gepflegtes Auftreten zur Markenbildung wichtig. Dazu gehören insbesondere ein ordentliches, nicht selbst fotografiertes Autorenbild, professionelle Grafiken und souverän im Umgang mit anderen zu sein. Man sollte sich nicht für sein Schreiben schämen, aber sich auch nicht zu viel darauf einbilden. Nicht gegenüber Kritik rechtfertigen, aber diese anerkennen und ernst nehmen. Stets dankbar und höflich bleiben. Gelingt das, achten die Leute dich und dein Schreiben schnell, völlig unabhängig davon, ob sie es mögen oder nicht.

Wie wird sich die Buchbranche und insbesondere der Bereich Self-Publishing in den nächsten 10 Jahren verändern?
Ich bin mir sicher, dass der Begriff „Selfpublishing“ bald sein letztes Stigma verlieren wird. Immer mehr Bestseller werden von Indie-Autoren geschrieben, und die Literaturpreise beginnen sich für Selfpublisher zu öffnen – nicht nur das, sie gewinnen diese auch! Verlage beginnen überdies, bei erfolgreichen Selfpublishern anzufragen, und ein gutes SP-Portfolio kann die Chancen für die erste Verlagsveröffentlichung erhöhen. Immer mehr Autorinnen und Autoren sind außerdem daran interessiert, nicht nur im Verlag, sondern zusätzlich selbstständig zu veröffentlichen. Nicht nur der künstlerischen Unabhängigkeit wegen: Selfpublisher können viel eher vom Schreiben leben als Verlagsautoren. Verlage werden das und die Gefahr, dass ihnen Leute deswegen abwandern könnten, berücksichtigen müssen. Sogenannte Hybrid-Autoren – Schreibende, die auf beiden Schienen veröffentlichen – könnten in zehn Jahren vielleicht schon die Regel sein. Dann wird es keine Unterscheidungen mehr, sondern nur noch Autor*innen geben.

Nora Bendzko – Wolfssucht:

Irina musste als Kind mit ansehen, wie ihre Schwester Leonore ermordet wurde. Doch »es« lauert immer noch da draußen. Im finsteren Wald. Leonores Mörder hat Irina nicht vergessen.
Eine dunkelfantastische Novelle zur Zeit des 30-jährigen Krieges, angelehnt an das bekannte Märchen der Brüder Grimm: »Rotkäppchen«. Top 5 vom Deutschen Phantastik Preis 2017, Kategorie: »Beste deutschsprachige Kurzgeschichte«.

Seiten: 136
ISBN: 978-3-746766-42-3
Preis: 6,99 €

Die 10 Autoren der epubli Jubiläumsedition


1. Andreas Klaene (“Till Türmer und die Angst vor dem Tod”)
2. Saskia Calden (“Der stille Feind”)
3. Karl Olsberg (“Das Dorf: Der Fremde”, Band 1)
4. Vincent Rahder (“Sommernacht in Kissingen”)
5. Andreas Winkelmann (“Der Schlot”)
6. Martin Krist (“Böses Kind”)
7. Rita Roth (“Sanddornküsse & Meer”)
8. Jörg Böckem (“Lass mich die Nacht überleben”)
9. Nora Bendzko (“Wolfssucht”)
10. Jana Falkenberg (“Liebe, Sex und andere Katastrophen”)

*Das Angebot ist gültig bis 01.02.2019. Verkauf, Barauszahlung oder Kombination mit anderen Aktionen nicht möglich.Der Rabatt in Höhe von 2,95 Euro gilt ausschließlich für Bestellungen innerhalb Deutschlands, bei Bestellungen außerhalb werden die Versandkosten in Höhe von 7,95 Euro um 2,95 Euro reduziert. Der Gutschein gilt nur für den epubli-Shop und die Jubiläumsedition.