Open Access: Freie Fahrt für die Kunst von Willi Baumeister

Der Stuttgarter Maler, Grafiker und Bühnenbildner Willi Baumeister war einer der international anerkanntesten Künstler der Klassischen Moderne. Jetzt erscheint mit “Willi Baumeister. Schöpfer aus dem Unbekannten” eine neue Einführung in sein Leben und Werk, geschrieben von der Kunsthistorikerin Brigitte Pedde und mit vielen von Baumeisters Bildern in hoher Qualität. Ach ja, wieder einer von diesen Kunstbänden, die sich nur wahre Liebhaber – wohlhabende, wohlgemerkt – ins Regal stellen, denkt man da. Nein: dieses Buch ist kostenlos. Man muss noch nicht einmal in eine Buchhandlung dafür. Man kann es einfach im Internet herunterladen.

Ein Klick genügt und man hat das Buch. Sofort. Auf der Webseite kann man sich die 120-seitige Monografie in voller Länge als PDF herunterladen, auch die Bilder gibt es in hoher Auflösung als kostenlosen Download.

Bei diesem Projekt geht es nicht um Gewinn, sondern um Sichtbarkeit: Mit dem neuen Einführungsband möchte die Stiftung erreichen, dass Baumeisters Werk allen zur freien Verfügung steht, besonders Schülern und Kunststudenten. Bei einem Kunstband ist allein der Druck schon so teuer, dass sich meist nur ein kleiner Kreis von Kennern das Buch überhaupt leisten kann. Da in vielen Schulen die Mittel ohnehin knapp sind, wird viel zu oft mit – meist nicht besonders guten – Kopien gearbeitet. Durch die Digitalisierung ist es möglich, das Werk unbegrenzt zu verteilen. Auf diese Weise können Schulen und Universitäten die Materialien kostenlos für ihre Arbeit verwenden. Und jeder Schüler bekommt sein eigenes Exemplar.

Baumeister im Open Access

Ein weiterer Vorteil: Über Kurzlinks sind die Abbildungen im Buch mit der Webseite der Stiftung verknüpft. Dort findet der Leser eine Version in hoher Auflösung. Auf diese Weise kann man das Werk auch in starker Vergrößerung sehen – und so feinere Details wahrnehmen als es in einem herkömmlichen Buch möglich ist. Wer mag, kann sich die Bilder auch als Poster drucken.

Mit der frei zugänglichen Veröffentlichung eines Kunstbuches samt Bildern im Internet schließt sich die Stiftung den Zielen der Open-Access-Bewegung an: einen freien und kostenlosen Zugriff auf wissenschaftliche Werke zu schaffen. Das ist ganz im Sinne Willi Baumeisters: “Als Maler und Akademieprofessor setzte sich Baumeister stets für einen offenen künstlerischen Austausch ein”, schreibt der Geschäftsführer der Baumeister-Stiftung und Enkel des Künstlers Jochen Gutbrod in seinem Vorwort. Bisher wird das Open-Acess Modell eher in der Wissenschaft und im Bildungswesen genutzt. Mit “Willi Baumeister. Schöpfer aus dem Unbekannten” wird jetzt der Anfang im Bereich Kunstgeschichte gemacht.

Für Open-Access-Publikationen stehen besondere Lizenzmodelle bereit, um die Möglichkeiten der Verbreitung genauer zu regeln. Mit einer Creative Commons Lizenz lässt sich beispielsweise festlegen, ob das Werk verteilt werden darf, wenn dabei die Quelle genannt wird.  Werke mit einer freien Lizenz werden nicht nur im Internet verbreitet, sondern erscheinen auch als gedrucktes Buch. Viele Open-Access-Projekte nutzen diese Möglichkeit bereits bei epubli: So ist die Edition Open Access des Max Planck Instituts online kostenfrei abrufbar und erscheint zugleich als gedruckte Ausgabe. Auch Baumeister-Buch ist neben der kostenfreien Version als eBook und als gedrucktes Buch erhältlich.

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Auch bei der Organisation der Zusammenarbeit wagt sich die Baumeister-Stiftung auf neues Terrain. Anstatt einem Verlag alle Entscheidungen zu überlassen, hat die Stiftung mit mehreren Partnern zusammengearbeitet. So stammt der Text von der Kunsthistorikerin Brigitte Pedde, das Design von der freien Gestalterin Henrike Noetzold. Cristjane Schuessler und Bernd Langner vom Baumeister-Archiv koordinierten Bildrechte und Webredaktion, Markus Neuschäfer von epubli unterstützte das Projekt durch Projektmanagement und Lektorat.

Ein in Teamarbeit entstandenes Kunstbuch, das Werk Baumeisters im Open Access. Der Stuttgarter Künstler zählte stets zur Avantgarde. Die Stiftung steht ihm da in nichts nach.

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23.10.2013 zuletzt geändert am: 31.07.2018 • Leonie Langer
Kategorien: Aktuelles, Inspiration,
Tags: Open Access, Willi Baumeister,