7 Tipps für packende Romanszenen

ein Gastbeitrag von Titus Müller

  1. Jede Szene ist ein kleiner Roman im Roman, eine Geschichte in der Geschichte. Sie braucht einen eigenen Konflikt und einen guten Grund, weshalb sie es wert ist, erzählt zu werden. In Szenen zu denken, hilft dabei, die Geschichte nicht zusammenzufassen, sondern erlebbar zu erzählen.
  1. Orientierungslosigkeit erzeugt keine Spannung, sondern verhindert sie. Jede Szene findet an einem Ort statt, und der Leser sollte zu Beginn einer Szene so schnell wie möglich erfassen können, wo er ist.
  1. Erfährt der Leser, aus wessen Perspektive er die Szene erlebt? Der Name der Perspektivfigur sollte früh fallen. Sagt man als Autor zu Beginn einer Szene über zwei Absätze nur »er« oder »sie«, kommt es zu Verwechslungen, und der Leser muss rückwirkend das Gelesene uminterpretieren, weil er sich in der Person geirrt hat. Das stört das Leseerlebnis.
  1. Ein Perspektivwechsel ist häufig die Lösung, wenn eine Szene nicht »stimmt«. Aus einer anderen Perspektive heraus erzählt, kann sie plötzlich hervorragend sein. Vielleicht wollen Sie kurzzeitig einen Hund zum Protagonisten machen oder auf dem Höhepunkt der Szene einen Schnitt setzen und in den Kopf des Gegenübers wechseln. Beim Überarbeiten einer Szene frage ich mich oft: Aus wessen Sicht ist diese Szene am emotionalsten? In diese Figur schlüpfe ich.
  1. Geschieht am Kapitel- oder Szenenende etwas Dramatisches, Offenbarendes, Ungewöhnliches, wird der Leser dazu animiert weiterzulesen. Er möchte wissen, wie die Protagonisten mit der neuen Situation umgehen. Seine Neugier ist geweckt. Da Kapitelwechsel gute Gelegenheiten darstellen, das Buch aus der Hand zu legen, versuchen Autoren, ihre Leser durch Neugier über den Kapitelwechsel hinüberzulocken. Aber auch ruhige Kapitelenden oder in sich abgeschlossene Szenen gehören zu einem guten Roman. Ein kluger Autor variiert das Tempo.
  1. Lesen wird immer dann zu einem intensiven Erlebnis, wenn alle Sinne angesprochen werden. Wir wollen etwas riechen, etwas hören, sehen, schmecken und fühlen. Das Sehen und das Hören erzählen wir als Autoren automatisch, weil diese Sinne uns vertraut sind, über sie nehmen Menschen das meiste wahr. Die drei anderen Sinne vernachlässigen wir beim Schreiben, wenn wir uns nicht bewusst vornehmen, sie anzusprechen. Lassen wir den Leser fühlen, wie ihm der Wind ins Gesicht bläst! Lassen wir ihn frische Sägespäne riechen! Lassen wir ihn angebrannten Haferbrei schmecken! Es hilft ihm, in die Geschichte einzutauchen.
  1. Als Autor möchte ich erreichen, dass der Leser vergisst, dass er ein Buch liest, ich wünsche mir, dass er seine Zweifel ablegt. Gerade wenn eine absurde, unglaubliche Geschichte erzählt werden soll, ist es notwendig, realistische Details als deren Vehikel zu gebrauchen. Warum funktionieren Geschichten, die von fliegenden Schweinen erzählen, von Zeitreisemaschinen, von Menschen, die am Morgen als riesiges Insekt erwachen? Sie verknüpfen geschickt die unglaubwürdigen Einzelheiten mit Alltäglichem. Darum vergessen die Leser bald, dass der Autor Unmögliches erzählt. Wenn ich über fliegende Schweine schreiben will, muss der Stall stinken, der Mann, der ihn ausmistet, muss schwitzen, die Schweine müssen gewöhnliche Kartoffelschalen fressen und es müssen Schmeißfliegen herumsurren.

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14.04.2015 zuletzt geändert am: 23.10.2020 • Janina Treder
Kategorien: Schreibtipps,
Tags: Gastbeitrag, Schreibtipps,