Prokrastination im Schreibprozess - praktische Tipps

Gastbeitrag von Tanja Steinlechner, Gründerin der Autorenschule Schreibhain und Leiterin unserer Webinarreihe zum Thema Schreibhandwerk.

Schreibkrisen sind normal. Im ersten Teil habe ich, selbst Autorin, über meine persönlichen Erfahrungen berichtet. Um Schreibkrisen schnellstmöglichst zu überwinden, habe ich für Sie ein paar Tipps und Tricks zusammengestellt, die Ihnen beim Schreiben eine Stütze sein können, wenn es einmal wieder nicht so flüssig von der Hand geht.

Wie im ersten Teil bereits erwähnt, wann immer sie bemerken, dass Sie prokrastinieren, können Sie sich sicher sein, dass das etwas mit Angst zu tun hat. Diese Angst verweist Sie auf das Problem, das es zu lösen gilt, um in den Schreibfluss zu finden. Also, nutzen Sie sie!

Schreibübung

Setzen Sie sich mit Stift und einem Blatt Papier an Ihren Arbeitsplatz und beginnen Sie damit, aufzuschreiben, was Ihnen Angst bereitet, angesichts des Gedankens an Ihrem Text zu arbeiten. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen diesbezüglich in den Sinn kommt, sei es auch trivial. Und vor allem denken Sie nicht zu viel darüber nach.

Sie sind fertig mit Punkt eins. Gut! Gehen Sie Ihre Ängste durch. Welche davon hat einen Bezug zu Ihrem Protagonisten? Er hat vor etwas Angst. Welche Ihrer Ängste kommt seiner oder ihrer am nächsten?

Um auf das Beispiel aus Artikel 1 zurückzukommen: Ihr Protagonist schreitet zusammen mit den anderen in seiner Gefechtslinie voran. Es knallt, um ihn her fällt gelegentlich einer aus seiner Linie um. Dragoner mit lustigen Federbüschen galoppieren heran. Er hat Angst. Er fühlt sich ausgeliefert. Steht diese Angst zu irgendeiner Ihrer Ängste in Bezug? Denkbar wäre zum Beispiel, dass Sie sich Ihrem Text ausgeliefert fühlen, so wie unser Protagonist den zufälligen Treffern und Hieben der Dragoner. Schreiben Sie rasch, in kurzen Sätzen oder Stichpunkten auf, was passiert, was Ihr Protagonist tun könnte.

Strukturieren Sie Ihre Arbeit

Teilen Sie große Aufgaben in überschaubare Teilaufgaben auf. Damit verhindern Sie Überforderung und können sich über erreichte Zwischenziele freuen. Drei kleine Häkchen werden Ihnen ein besseres Gefühl geben als ein großes Häkchen, das sie nicht machen können. Probieren Sie es, Ihr Ego wird es Ihnen danken. Vergessen Sie nicht, sich zwischendurch auch mal zu belohnen.

Regelmäßigkeit hilft

Schaffen Sie sich einen festen Arbeitsrahmen. Reservieren Sie sich eine bestimmte Zeit des Tages und einen festen Raum zum Schreiben. Das funktioniert wie ein der sogenannte biologische Wecker: Ihr Körper und Ihr Geist werden sich darauf einstellen. Ihr Unterbewusstsein nimmt Ihnen einen großen Teil der Arbeit ab. Dazu müssen Sie es allerdings darauf trainieren. Wie man eine Schreibroutine entwickeln kann, erkläre ich in folgendem Video:

In der Video-Reihe Schreibtipps unter 5 Minuten gibt Tanja Steinlechner praktische Schreibtipps im Pocket-Format.

Lernen Sie Ihre Schreibbedürfnisse kennen

Was inspiriert Sie? Wie kommen Sie in den Schreibfluss? Haben Sie unterwegs immer etwas zum Aufschreiben dabei, damit Sie sich spontan Notizen machen können. Vielleicht haben Sie auch eine kleine Tafel oder Pinnwand Zuhause, auf der Sie spontane Einfälle notieren können? Oder probieren Sie einfach mal, mit Sketchnotes Ihre Ideen zu strukturieren.

Bleiben Sie beharrlich

Schreiben lernt man nur durch Schreiben. Geben Sie Ihrer Leidenschaft die nötige Priorität. Nur wenn Sie sich in hinreichendem Umfang (am besten täglich) mit Ihrem Plot, Ihren Figuren und Ihrer Erzählstimme beschäftigen, liefert Ihnen Ihr Gehirn im entscheidenden Moment die Einfälle und die Struktur, die Sie brauchen, um eine Szene niederzuschreiben.

Halten Sie durch!

Schreibkrisen sind nicht nur normal und unvermeidlich, sie sind sogar notwendig. Fragen Sie sich, warum sie da sind und stellen Sie sich Ihren Ängsten. Wenn Sie diese Tipps beachten und anwenden, kann eigentlich gar nicht mehr viel schiefgehen.

Tanja Steinlechner und das Team von epubli wünschen Ihnen weiterhin gutes Gelingen und viel Erfolg beim Schreiben.

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06.05.2016 zuletzt geändert am: 08.01.2019 • epubli
Kategorien: Inspiration, Schreibtipps,
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