Publishing 2014: Ein Jahresausblick in Frage- und Ausrufezeichen

Neues Jahr, neues Glück! Der Jahreswechsel eignet sich hervorragend dazu, erstens einmal bilanzierend auf das vergangene Jahr zurückzublicken, zweitens viele gute Vorsätze fürs neue zu fassen und drittens einen Blick nach vorn zu werfen. Ersteres und zweiteres haben wir bereits erledigt, nun widmen wir uns dem, was das neue Jahr bringen wird. Oder besser: bringen könnte. Denn wer weiß das schon? Sicher sind wir uns nur in zwei Punkten. Deshalb kommt hier unser Jahresausblick 2014 in zwei Ausrufe- und vielen Fragezeichen.

2014 wird das Jahr der Autoren!

Schon 2013 traten viele Autoren mit neuem Selbstbewusstsein auf: Sie stellten sich schützend vor den Suhrkamp-Verlag, protestierten gegen die Überwachung durch Geheimdienste und finanzierten sich ihre Buchprojekte dank Crowdfunding selbst. In Großbritannien und den USA gibt es bereits diverse Autoren, die Deals mit großen Verlagshäusern platzen lassen, weil sie lieber im Eigenverlag publizieren wollen. Denn nur so können sie sämtliche Entscheidungen selbst treffen, sich selbst und ihre Bücher vermarkten – vielleicht besser als es Verlage vermögen – und die Rechte an ihren Bücher behalten. Viele bringen als sogenannte “hybrid authors” einige Bücher im Eigen-, andere im klassischen Verlag heraus. Dank immer attraktiverer Möglichkeiten werden Autoren immer selbständiger und selbstbewusster, vor allem, weil sie die Wahl haben, selbst zu entscheiden. Je mehr Autoren 2014 mit gutem Beispiel vorangehen, desto mehr werden sie andere mit ihrem Selbstbewusstsein und neuer Eigenständigkeit anstecken.

2014 wird das Jahr der Leser!

Leser entscheiden selbst, was sie lesen wollen und finden, was sie wollen: im Netz, auf Blogs, auf stetig wachsenden Social Reading Plattformen wie Goodreads, Wattpad und den deutschen Buchgesichtern oder Lovelybooks, um nur einige zu nennen. Dort tauschen sich nicht nur Leser untereinander, sondern vor allem auch Leser mit den Autoren aus. Und diese nehmen das Leserfeedback sehr ernst. So lassen einige ihre Lesercommunities inzwischen über einzelne Charaktere, Kapitel und nächste Projekte abstimmen. Nicht nur in dieser, auch in finanzieller Hinsicht übernehmen Leser mancherorts bereits die Rolle von Verlagen: nämlich, in dem sie darüber entscheiden können, welche Buchprojekte umgesetzt werden sollen. 2013 ging mit “100 Fans” die erste deutsche Crowdfunding-Plattform nur für Bücher an den Start. Man darf gespannt sein, wie viele Bücher 2014 ihren Erfolg einzig den Lesern zu verdanken haben! Da erklingt schon der erste Abgesang auf den klassischen Feuilleton-Buchrezensenten – denn der neue Buchrezensent, das ist jeder einzelne Leser.

Wird 2014 das Jahr, in dem sich klassische Verlage dem Wandel in der Publishing-Szene stellen?

Dass Self-Publishing auch von Brancheninsidern längst nicht mehr nur als vorübergehender Trend belächelt, sondern künftig eine immer größere Rolle spielen wird, zeigt auch das Engagement der klassischen Verlagshäuser in diese Richtung. Droemer Knaur hat vor drei Jahren mit Neobooks den Anfang gemacht, 2013 folgte Carlsen und im Frühjahr 2014 wird auch die Egmont Verlagsgesellschaft mit eigener Schreib-Plattform an den Start gehen. Man darf gespannt sein, wer in diesem Jahr noch nachfolgt! Trotzdem darf man nicht vergessen, dass dies nur einige wenige sind. Was ist mit den anderen ca. 2000 Verlagen in Deutschland? Werden sie weiterhin versuchen, ihre Gatekeeperfunktion zu verteidigen? Sich aus ökonomischen Gründen auf Bestsellerautoren konzentrieren? Bleiben sie auch 2014 wenig experimentierfreudig, wie bereits einige Autoren monieren?

Wird 2014 das Jahr, in dem eBooks endgültig im deutschen Mainstram ankommen?

2013 war ein gutes Jahr für eBooks. Ein Blick auf die Statistiken über die Wachstumsprognosen deutet darauf hin, dass es noch steiler bergauf gehen könnte. Wie rasant das Wachstum tatsächlich sein wird, muss sich erst zeigen. Schließlich haben eBooks allmählich den Reiz des Neuen verloren. Werden einige der traditionsliebenden Deutschen vielleicht lieber zum guten alten Buch zurückkehren? Ähnliches zeigt sich in den USA, wo der eBook-Boom allmählich nachlässt. Andererseits war in Deutschland das eBook-Wachstum nicht ganz so kometenhaft wie in den USA – und was sich erst allmählich durchsetzt, hat in der Regel mehr Bestand als Schnellstarter. Ob 2014 eine gesetzliche Regelung für den eBook-Verleih in Bibliotheken gefunden wird? Und wie könnte sich sich diese auf die eBook-Verkäufe auswirken?

Wird 2014 das Jahr der endgültigen Weltherrschaft Amazons?

Was Schlagzeilen betrifft, war der Online-Riese 2013 allen anderen um Längen voraus: ales dabei von Blicken hinter die Kulissen, über die Bedingungen für Mitarbeiter und Streit mit verdi bis hin zum Kauf von Goodreads, Zukunftsvisionen mit Drohnen und der Ankündigung des neuen 2014 erscheinenende Kindle Paperwhite. Klar, dass das 2014 so weitergeht. Mit Erfolg? Sicherlich. Allerdings wird auch die Konkurrenz immer stärker. Im vergangenen Jahr machte die Tolino-Allianz als ernsthafte Konkurrenz von sich reden. Auch die gerade erst bekannt gewordene Übernahme des Buchshops bookish durch Start-up Zola lässt manche mutmaßen, ob dadurch Amazon in die Enge getrieben werden könnte. Und wer weiß, ob nicht schon sehr bald Autoren und Leser keine Lust mehr auf ein so abgeschottetes System wie das von Amazon haben? Amazon nutzt statt der ISBN die ASIN, statt des epub das mobi-Format und mit dem Kindle ein nicht mit anderen Formaten kompatibles Gerät. Warum sollte diese Parallelwelt längerfristig attraktiver sein? Zumal die Zahl der Distributoren stetig wächst. Apropos: Was macht eigentlich Apple? Wird möglicherweise das andere große Unternehmen mit dem A still und leise durch die Decke schießen, während alle nur gebannt auf Amazon starren?

Werden selbstverlegte Bücher den Weg in die Buchhandlung finden? Können einige Buchverlage nur überleben, wenn sie von vermögenden Investoren gekauft werden, wie es 2013 die Zeitungsbranche erlebte? Welche Inventionen, Kooperationen, Ideen und vor allem neue Bücher und Autoren kommen 2014? Dies sind bei weitem nicht die einzigen Fragen, die sich dieses Jahr in der Verlags- und Buchbranche stellen. Wir sind gespannt – sowohl auf weitere Fragen als auch auf einige Antworten!


15.01.2014 zuletzt geändert am: 07.08.2018 • epubli
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