Qindie - ein Gütesiegel für Autoren

Über 300 Bücher tragen es bereits, das große Q auf dem Cover. Q ist die Abkürzung von Qindie, was für Qualität und Independent steht und ein Gütesiegel für selbstverlegte Bücher ist. Seit dem Launch im Mai 2013 haben über 300 Autoren mehr als 500 Bücher zur Begutachtung eingereicht, gänzlich ohne jeglichen Kostenaufwand. Etwa 100 Autoren und insgesamt 300 Titel wurden bislang des Qindie-Siegels für würdig befunden. Eine Auszeichnung, die nicht nur die Bücher als besonders kennzeichnet, sondern Autoren ebenso Zugang zu einem erweiterten Netzwerk gewährt. Evi Chantzi von epubli sprach mit der Qindie-Initiatorin Susanne Gerdom, die selber erfolgreiche Fantasy-Autorin von Elidar, Ellorans Traum oder Last Days on Earth ist.

Frau Gerdom, Sie haben als Verlagsautorin die Plattform und das Gütesiegel Qindie ins Leben gerufen, weshalb?

Ich bin nicht nur Verlagsautorin, sondern auch Self-Publisherin. Wie die meisten meiner sogenannten Hybridkolleginnen habe ich angefangen, meine Backlist als eBooks zu veröffentlichen, als ich die Rechte an meinen Büchern vom Verlag wieder zurückbekam. Das hat mich auf die Idee gebracht, auch weitere Werke selbst zu veröffentlichen und mit neuen Genres zu experimentieren. Ich war regelrecht erstaunt, wie gut das funktioniert. Zur selben Zeit wie ich haben auch andere Schreibende das Self-Publishing entdeckt, was an sich toll ist. Aber irgendwann ist der Markt explodiert und in Leseplattformen machte sich immer mehr Unmut über selbstverlegte Bücher breit: Zu viele Rechtschreibfehler, schlechtes Format, gruseliges Cover. Unter dieses Pauschalurteil fielen ärgerlicherweise auch viele gute Autoren, die ihr Handwerk bestens beherrschen und wissen, wie man Bücher produziert. Also habe ich mir gedacht, dass wir eine Art Autoren-TüV benötigen, ein Gütesiegel, das qualitativ hochwertige Bücher kennzeichnet.

Welche Kriterien muss ein Buch erfüllen, um ein Qindie-Siegel zu bekommen?

Zunächst einmal sollten alle formellen Kriterien stimmen: Rechtschreibung und Grammatik müssen einwandfrei sein. Außerdem erwarten wir, dass Autoren sämtliche Stilmittel beherrschen und spannend erzählen können. Allerdings bewerten wir nicht den Inhalt. Wir wollen uns innerhalb unserer Jury nicht anmaßen, Entscheidungen zu ganz persönlichen Vorlieben zu treffen. Das können und wollen wir nicht. Aber wir können durchaus sagen, ob ein Buch einem gewissen Standard entspricht.

A propos Jury: Wer entscheidet darüber, ob ein Buch ein Qindie-Siegel erhält oder nicht?

Wir sind als Netzwerk organisiert und möchten als solches auch den Netzwerkgedanken forttragen. Sprich: jeder Autor, der zur Qinidie-Gemeinschaft gehört, verpflichtet sich, eingereichte Leseproben zu begutachten. Auch können alle Qindie-Autoren am Abstimmungsprozess teilnehmen. Die Anzahl der aktiven Teilnehmer schwankt. In der Regel formiert sich ein Team aus etwa 15 bis 30 Mitgliedern. Das sind zum einen Qindie-Autoren, und zum anderen professionelle Lektoren und Gestalter. Letztere bewerten etwa das Cover oder schauen, ob das Buch gut gesetzt ist.

Es ist also nicht immer dasselbe Team an Juroren, das ein Buch bewertet. Wenn aber die Jury jedes Mal wechselt, wer garantiert ein einheitliches Vorgehen? Läuft man nicht Gefahr, im Urteil beliebig zu werden?

Selbstverständlich gibt es bei Qindie ein Kernteam, das sind die 5 bis 7 Gründungsmitglieder und die sorgen dafür, dass eine gewisse Grundlinie bei der Begutachtung eingehalten wird. Ihre Meinung kommt etwa zum Tragen, wenn die Abstimmung unter den Qindies zu keinem eindeutigen Ergebnis geführt hat. Aber ich möchte ganz klar betonen, dass wir uns ganz bewusst gegen eine Einzeljury entschieden haben. Denn unser Anliegen ist es, jeglicher Art der Gruppenbildung entgegenzuwirken, indem wir so viele Mitglieder wie möglich in den Entscheidungsprozess einbeziehen. Das ist einfach demokratischer. Und nach fast einem Jahr können wir sagen, dass sich dieses Verfahren absolut bewährt hat.

Und wer kann bei Qindie Bücher einreichen?

Im Prinzip alle, die ein Buch geschrieben haben. Einzige Voraussetzung ist, dass das Buch veröffentlicht ist. Wir nehmen keine Exposés und auch keine Buchideen an. Wichtig ist außerdem, dass es einen Link zu einer öffentlich zugänglichen Leseprobe gibt. Die Autoren schicken uns die Verlinkung und wir stellen diese in unser geschlossenes Forum. Entschieden wird nach einer gemeinsamen Diskussion.

Können auch Sachbuchautoren Bücher bei Qindie einreichen?

Mittlerweile, ja. Aber wir haben die Frage, ob wir Sachbücher annehmen oder nicht, heiß debattiert. Denn wie können wir beurteilen, ob die dargestellten Fakten stimmen oder nicht? Tatsache ist zwar, dass wir nicht zu hundert Prozent sagen können, wie gut jemand sein Sujet beherrscht, aber wir können ganz klar erkennen, ob es sich um ein seriöses Buch handelt und ob es gut geschrieben ist. Und auch hier gilt: je mehr Sachbuchautoren wir im Netzwerk haben, desto fundierter werden in Zukunft auch die Bewertungen ausfallen!

Ein Qindie-Siegel auf dem Buchcover ist in erster Linie ein Richtwert für die Leser. Gibt es darüber hinaus Vorteile für Autoren?

Mit dem Qindie-Siegel ausgezeichnete Autoren werden auf unserer Webseite und über unsere Social Media-Kanäle präsentiert. Und Aufmerksamkeit ist ja immer gut! Ein weiterer Vorteil ist, dass Qindie-prämierte Autoren in das Netzwerk aufgenommen werden. Das heißt, sie können mit sämtlichen Buchmenschen in Kontakt treten und so professionellen Rat zu besonders günstigen Konditionen bekommen. Auch organisieren wir als Qindie-Netzwerk Aktionen aller Art und laden Autoren zu Veranstaltungen ein. Im Vordergrund jedoch steht die Tatsache, dass sich das Q auf dem Cover als Qualitätssiegel durchgesetzt hat! Letztens habe ich auf einer Plattform gelesen, dass man beim Bücherkauf auf das Q achten sollte. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut.

Und wie sieht die Zukunft von Qindie aus?

Nachdem wir im letzten Jahr die Plattform für die Autoren gelauncht haben und alles daran gesetzt haben, das Netzwerk der Gutachter auszubauen, geht es in diesem Jahr um die Leser. Zwar haben wir schon Leser und Leserinnen in unserer Plattform und wir kooperieren auch mit der Bloggerszene, aber mein Wunsch ist es, in Zukunft auch Leserunden abzuhalten und verstärkt Autoren mit Lesern in Kontakt zu bringen.

Verraten Sie mir noch zum Schluss, was für Sie persönlich ein gutes Buch ausmacht?

Ganz einfach, eine packende Geschichte – und starke Figuren, die mich durch diese Geschichte ziehen. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, dann kann ich jedes Genre lesen, ganz gleich ob es sich um einen Thriller, eine Liebesgeschichte oder einen historischen Roman handelt. Ich muss aber an der Geschichte kleben bleiben und mit den Figuren mitgehen – nicht nur wenn ich lese, sondern auch wenn ich schreibe.

Weitere Informationen zu Qindie und zur Autorenbewerbung finden Sie unter qindie.de

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10.03.2014 zuletzt geändert am: 30.10.2018 • epubli
Kategorien: Marketing, vermarkten,
Tags: Gastbeitrag, Qindie,