Der Trabi zum Mauerfall-Projekt

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse war unser Stand zum 25 Jahre Mauerfall ein echter Hingucker! Viele interessierten sich neben unserem Projekt und unseren zahlreichen Veranstaltungen auch besonders für unseren Trabi und seine ganz persönliche Geschichte. Denn in vielen Stunden ist dieses ganz besondere Kunstwerk aus einem besonderen Grund entstanden. Wie und warum erfahren Sie in diesem Blogartikel:

Zunächst ein paar Hintergrundinformationen zum Erwerb dieses Vehikels:

Unmittelbar nach der Wende war ich 1990 in England zu einem Sprachseminar und lernte Peter Krösche aus Rostock kennen. Er hatte gerade sein Ingenieur-Studium  abgeschlossen und benötigte für den Diplomabschluss noch den Nachweis eines halbjährigen Praktikums. Da mit dem Fall der Mauer die Uhren anders gestellt waren, hatte ich ihm empfohlen, dieses Praktikum im Westen zu absolvieren, um größere Chancen auf dem zukünftigen Arbeitsmarkt zu haben. Gesagt, getan und Peter K. stand eines Tages mit seinem Trabi vor der Tür und in kurzer Zeit war in Gießen eine Praktikumstelle gefunden und im Nachbarort eine Wohnung. Als Dank für die Unterstützung während dieser Zeit hat er uns seinen Trabi, der oft die „Horror-strecke“ Rostock-Reiskirchen/Gießend-Rostock zurückgelegt hatte, geschenkt. Nach der Wende wollte niemand so eine Plastikschachtel haben und Peter K. kaufte sich für den letzten Trip zurück einen gebrauchten VW-Golf.

Und nun zum Kunstobjekt:

Ich habe diesen Trabi all die Jahre gepflegt und eingepackt mit dem Ziel, dass es irgendwann eine Gelegenheit geben wird, diesen aus dem Dornröschenschlaf wieder aufzuwecken. Nun ist die Zeit gekommen und während der Kunst- und Kulturtage im Juli dieses Jahres hier in Reiskirchen-Bersrod wurde dieses Projekt vorgestellt und die Künstlerin Andrea Grube, selbst in der DDR aufgewachsen, begann mit ihren Ideen.

Der Trabi, Modell P601 L, Baujahr 1982, wird die verschieden Stationen der Fahrtstrecke mit einer Ostseite und einer  Westseite darstellen. Auf dem Heck ist die Silhouette von Rostock zu sehen und unterhalb schippert ein Fischerboot auf der Ostsee. Der Angler hat das DDR-zeichen an seinem Haken. Von dem Heck ausgehend ist nach  vorne auf der linken Seite (DDR) das historische Rathaus von Stralsund zu sehen, das Brandenburger Tor, die Nikolaikirche in Leipzig und von Weimar das Goethe- und Schillerdenkmal. Die Route führt dann weiter zum Grenzübergang Herleshausen  mit den Grenzsteinen, einem Schlagbaum und Wachturm. Die Motorhaube ist das Ziel und hier ist das Logo von Bersrod zu sehen und darunter die Inschrift: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Gegenwart nicht verstehen“!   Der Weg nach Rostock zurück führt über die Gießen, hier sind die drei Schwätzer zu sehen, nach Kassel mit dem Herkules-Denkmal weiter durch Niedersachsen (Wappen) nach Hamburg. Mit einem Bild vom Hafen und dem Holstentor in Lübeck erreichen wir wieder das Stoppschild „HALT- Zonengrenze“.

Ich denke, das ist eine interessante und bewegte Geschichte die hier bildlich festgehalten ist, um wiederum deutlich zu machen, was es bedeutet hat, in einem geteilten Land zu leben. Es wäre schön, wenn Sie dieses Projekt mit Ihren Beiträgen begleitend  unterstützen könnten, um zu erinnern und nicht zu vergessen. Bis vor 25 Jahren war Deutschland noch geteilt und es waren viele Anstrengungen und Entscheidungen erforderlich, um heute sagen zu können: „Schön, dass ich diese Momente der Wiedervereinigung erleben durfte“.   

Manfred Wagner

„Die Wende und der Trabi“

Die Gedanken und Ideen der Künstlerin Andrea Grube mit ihrem Team

Fahrtstrecke von Rostock nach Giessen und zurück mit markanten Punkten deutscher Geschichte.

Die ausgewählten Motive auf der Ostseite:

Die Silhouette von Rostock und einem Fischer auf der Ostsee derTrabi-Westseite weggeworfenes wieder herausfischt, ein DDR-Nummernschild, auch als Zeichen für den Neuanfang.

Das Brandenburger Tor mit der Betonstraße (Platten) die plötzlich kurz vorher aufhören und es war keine Sicht in den Westen möglich.

Die Nikolaikirche in Leipzig, die an die Montagskundgebungen erinnert und alles seinen Anfang genommen hat. „Wir sind das Volk“ !

Das Goethe und Schillerdenkmal in der  europäische Kulturstadt Weimar mit den größten Dichter und Denker der deutschen Geschichte.

Der Grenzübergang Herleshausen, eine wichtige und strategische Verbindung zwischen einem geteilten Volk.

Bersrod in Hessen – das Etappenziel der Anreise durch die DDR.

Die ausgewählten Motive auf der Westseite:

Trabi-OstseiteDie drei Schwätzer in Gießen. Diese Universitätsstadt ist heute noch eine zentrale Anlaufstelle für viele Flüchtlinge und Asylbewerber. Der Vorbesitzer machte unmittelbar in Gießen sein Ingenieur.Praktikum.

Kassel Wilhelmshöhe das UNESCO-Weltkulturerbe – die große Wasserkunst im Bergpark.

Niedersachsen mit dem Wappen und der grenznahen Beziehung mit dem längsten Grenzbereich zwischen DDR und der BRD.

Der Hamburger Hafen – das Tor zur Welt und der „großen Freiheit“.

Das Holstentor (“Holstein-Tor”) ist das wohl bekannteste und bedeutendste erhaltene Stadttor des Spätmittelalters in Deutschland.

Der Grenzübergang Lübeck-Schlutup: „Halt HIER Zonengrenze“ Bundesgrenzschutz

Die Wende: auch sichtbar an den Deutschlandfarben (schwarz-rot-gold)  auf der vorderen und spiegelverkehrt „gewendet“ auf der hinteren Stoßstange.

Der Regenbogen auf dem Dach (dem Himmel) dokumentiert die Verbindung aller Menschen  dieser Welt und steht für Frieden, Hoffnung und für Verständigung.

Ziel der Trabi-Dokumentation ist nicht zu vergessen und daran erinnern, dass bis vor 25. Jahren Deutschland noch geteilt war.


20.10.2014 zuletzt geändert am: 13.11.2018 • epubli
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