Wie nötig sind Korrektorat und Lektorat?

Wie nötig sind Korrektorat und Lektorat?

Ein Gastbeitrag von Bärbel Mäkeler

„Lässt du eigentlich dein Buch Korrektur lesen oder hast du einen Lektor?“ „Wie bitte? Wo ist denn der Unterschied?“, fragen sich sicherlich einige „frische“ Autoren.

Die Arbeit des Korrektors ist quasi selbsterklärend: Er prüft Texte hinsichtlich Rechtschreibung, Grammatik sowie Typografie und er achtet auf sprachliche Stimmigkeit. Des Weiteren werden stilistische und Unsauberkeiten bereinigt. Dabei ist die Grenze zum Lektorat fließend, denn ein Lektor übernimmt meist auch das Korrektorat, kümmert sich aber hauptsächlich um inhaltliche Ungereimtheiten und sachliche Fehler. Manche Autoren stehen nun vor der Frage, ob sie diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen möchten oder sollten …

„Korrektorat? Das brauche ich nicht – es gibt doch die automatische Rechtschreibhilfe im Schreibprogramm.“ Ja, hilft die denn immer? Die seit 2006 gültige Rechtschreibung ist dort zwar implementiert, aber trotzdem sitzt im PC kein kleines Wesen und flüstert dem Schreibenden die richtige Orthografie ein.

Nur ein paar Beispiele: Im Satz „der Begriff aber auch gar nichts“ wird „Begriff“ nicht unterringelt, da es das Wort ja gibt – hier ist aber das Verb „begreifen“ in der Vergangenheitsform gemeint. Und in der gern zitierten Aufforderung „Komm, wir essen Oma“ ist dem Schreibprogramm auch nicht klar, dass nach „essen“ ein Komma hingehört, denn sonst könnte man dem Autor Kannibalismus unterstellen. Auch im Bereich der Worttrennung ist das Programm nicht sensibel. Oder wollen Sie in Ihrem Buch folgende Trennung sehen?

„Der menschliche Urin-

stinkt …“

Eines meiner erheiterndsten Fundstücke war allerdings das Wort „Schweinwerferanlage“ in einem Automobil-Flyer. Die Rechtschreibhilfe hätte es gnädig durchgehen lassen …

Hier muss ein Mensch mit Gefühl und Gehirn zur Stelle sein – am besten ein Korrektor, der den Text mit Know-how und Verantwortungsgefühl bewusst liest. Zudem sieht ein versierter Korrekturleser unzulängliche Typografie, sprich: falsch gesetzte Anführungszeichen, Apostrophe und Bindestriche oder doppelte Leerzeichen.

Fazit: Der Korrektor ist unerlässlich für einen fehlerarmen Text – eine 100%ige Fehlerfreiheit wird ein glaubwürdiger Korrektor nämlich nicht versprechen –, dies gibt dem Autor das gute Gefühl, bezüglich Rechtschreibung und Zeichensetzung auf der sicheren Seite zu sein. Zudem ist bekannt, dass man Fehler in den eigenen Texten nach zigmaligem Durchschauen nicht mehr sieht. (Dieser Text ist auch Korrektur gelesen.)

Und nun zum Lektorat. Hierzu wird gerne eingeworfen, dass ein von einem Lektor bearbeiteter Text nicht mehr der eigene sei. Meine Antwort: ja und nein. Ja, natürlich sind es nach einem Lektoratsdurchgang nicht mehr dieselben selbst gewählten Wörter, die sich aneinanderreihen. Dafür wird der Text in der Regel besser lesbar, da Lektoren den betreffenden Inhalt mit einem oft guttuenden Abstand zum Thema lesen, ihn aus einer übergeordneten Sicht betrachten und mit ihrem grammatikalischen Hintergrundwissen bearbeiten. Manchmal hat sich der Autor so in den eigenen Stoff verbissen und schreibt aus seiner subjektiven Sichtweise heraus, dass dabei Aussagen herauskommen, die noch einmal überdacht werden sollten.

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Ich habe gerade ein Buch zur Architektur und Kunst der 1950er-Jahre geschrieben und fabrizierte zum Thema Schulen folgenden Satz: „Die älteste Schule Braunschweigs ist das …-Gymnasium von 1952“. Meine Lektorin verbesserte zu Recht in diese Aussage: „Der älteste Schulbau aus den Fünfzigerjahren stammt von 1952.“ Ich hatte nur die Fünfziger im Sinn – natürlich gibt es in Braunschweig ältere Schulen als jene von 1952.

Auch streichen Lektoren überflüssige Wörter oder Aussagen, kürzen bei Bedarf – immer den potenziellen Leser im Sinn – oder sie bitten den Autor um weiterführende Erläuterungen, falls dieser sich zu sehr in seinen Themen-Kokon verstrickt hat. Zudem können Lektoren Übergänge und Holprigkeiten glätten oder Bezüge eindeutiger herstellen. Wörter wie beispielsweise „dennoch“ oder „mitunter“ schmeicheln der Lesemelodie und das Wörtchen „ferner“ macht sich manchmal besser als das schnöde „und“.

Lektoren haben (nach einem Vorgespräch mit dem Autor) die Zielgruppe vor Augen und helfen bei  Formulierungen, den anvisierten Leser ansprechen. Sie denken sich also ins Thema und in die erhoffte Leserschaft hinein.

Eine andere Leistung, die Lektoren bieten können, sind Tipps zur Struktur und zum Aufbau eines Manuskripts. Oder sie unterstützen bei der Formulierung von Kapitelüberschriften, Bildunter­schriften, Klappentexten oder beim Erstellen von Glossaren oder Registern. Und sie könne noch mehr. Fragen Sie sie einfach nach ihren Stärken!

Noch einmal kurz zusammengefasst: Ein erfahrener Lektor kann Ihren Text lesbarer, runder, strukturierter und zielgruppengerechter machen.

Bärbel Mäkeler ist Inhaberin von „SUPPORT – Texte im Fokus“. Sie arbeitet seit 1995 als selbstständige Korrektorin, Lektorin sowie Texterin. Ferner gibt sie Seminare zum Thema Rechtschreibung und Korrespondenz. Ihre Kunden sind Werbeagenturen, Zeitschriftenverlage, Unternehmen, denen eine gute Sprache wichtig ist, sowie Studenten, Doktoranden und Autoren. Friedrich Dürrenmatt verdankt sie ihr Motto zum Thema Sprache: „Arbeit an der Sprache ist Arbeit am Gedanken.“ Bärbel Mäkeler wird unterstützt von freiberuflichen Korrektorinnen und Lektorinnen, die bei Bedarf auch als Zweitleserinnen eingesetzt werden.

Sachkunde, Korrektheit und Zuverlässigkeit sind die Eckpfeiler von SUPPORT – jahrelange Erfahrung sichert hohe Qualität.