Die Buchhandlung “Wortwerke” stellt sich vor

Die Buchhandlung “Wortwerke” stellt sich vor

Die Buchhandlung “Wortwerke” spezialisiert sich auf die Präsentation und den Verkauf von Indie-Titeln, also Büchern, die im Self-Publishing oder Kleinverlag erschienen sind. Auch epubli-Autoren haben die Möglichkeit, zum Vorteilspreis von 9,90€ (statt 12,50€) monatlich einen Stellplatz für Ihre Veröffentlichung zu mieten und diese in drei “Wortwerke“-Filialen zu präsentieren. Alle Informationen zum Angebot finden Sie hierDas Konzept von “Wortwerke“ ist in Deutschland derzeit einzigartig – die Idee dazu hatte Autorin und Geschäftsführerin Bianca Bolduan.

Frau Bolduan, Sie sind selbst Autorin. Wieso haben Sie sich für Self-Publishing entschieden?

Ich bin seit 2010 Autorin und seit 2015 mit einigen meiner Bücher zusätzlich noch bei einem kleinen Verlag unter Vertrag. Aber ich musste feststellen, dass mir diese Zusammenarbeit wenig Arbeitserleichterung bringt. Deshalb habe ich mich entschieden, wieder als reiner Self-Publisher zu arbeiten. Natürlich bedeutet dies ein Mehr an Arbeit, aber ich entscheide selbst, was ich wann und wie publiziere und kann über Cover und Textdesign bestimmen. Einerseits ist es schön, wenn mir als Autor die Arbeit rund um das Lektorat und das Setzen eines Textes abgenommen wird, andererseits bedeutet dies aber auch, kaum mehr mitbestimmen zu können, wie es mit dem Buch weitergeht. Nach meinen Erfahrungen mit kleinen Verlagen möchte ich dies aber nicht mehr missen.

Wie kam es zur Gründung von “Wortwerke” und weshalb haben Sie sich auf verlagsfreie Titel spezialisiert?

Wie beinahe jeder Self-Publisher habe auch ich versucht, meine Bücher in zunächst regionalen Buchhandlungen unterzubringen. Dies war ein mühsamer und oft auch ernüchternder Weg. Auf einem meiner Rückwege aus einer ablehnenden Buchhandlung habe ich mir überlegt, dass es eigentlich eine Buchhandlung geben müsste, die NUR Titel von Self-Publishern aufnimmt. Die Idee war geboren und wurde sieben Monate später in Bad Segeberg, Schleswig-Holstein, in die Tat umgesetzt. Inzwischen gibt es drei Filialen, doch wir wollen uns im gesamten Bundesgebiet ausbreiten und arbeiten daran.

Bitte erklären Sie kurz das Konzept von “Wortwerke”.

Eine „Wortwerke“-Filiale besteht immer aus einem Buchhandelsbereich, einer Gastronomie in Form eines Cafés und einem Veranstaltungsbereich, wobei die Übergänge fließend sind. Ich vermiete Stellplätze für Buchtitel an selbstverlegende Autoren und an kleine Verlage, die ebenfalls selten im regulären Buchhandel zu finden sind. Für eine geringe monatliche Gebühr ist das Buch in drei unserer Filialen präsent. Der Verkaufserlös wird zu 100% ausgezahlt, wir arbeiten also nicht mit Margen, wie es der reguläre Buchhandel handhabt.

Zu jedem bei uns eingestellten Titel gibt es ein s.g. „Schmöker-Exemplar“. Viele unserer Gäste nutzen dies, um sich mit einer Tasse Tee oder Kaffee zurückzuziehen und zu lesen. Oft fallen hier dann die Entscheidungen, welches Buch gekauft wird. Durch Veranstaltungen wie Lesungen und Vorträge, aber auch durch die Qualität der Gastronomie ziehen wir immer mehr Gäste an, die einem reinen Buchladen sonst vielleicht ferngeblieben wären.

Weshalb sollten Autoren Ihre Bücher bei “Wortwerke” platzieren?

In Deutschland soll es rund 80.000 selbstverlegende Autoren und rund 30.000 Autoren in kleinen Verlagen geben. Nur selten gelangen ihre Bücher in den regulären Buchhandel. „Wortwerke“ bietet eine reale Plattform, diese zu präsentieren und zu verkaufen. Unsere Kunden sind i.d.R. begeistert von der Auswahl und genießen es sehr, auch einmal Bücher abseits des Mainstreams erwerben zu können. Wir von „Wortwerke“ unterliegen im Gegensatz zum regulären Buchhandel nicht dem kommerziellen Denken wie „Was verkauft sich derzeit am besten?“, sondern lassen durch das breite Angebot präsentierter Titel den Kunden entscheiden, was ihn interessiert.

Welche Qualitätsprüfungen durchlaufen Titel? Wie läuft der Prüfprozess ab?

Qualität ist uns sehr wichtig. Deshalb muss jedes Buch, das wir präsentieren und verkaufen sollen, eine Prüfung durchlaufen. Geprüft werden neben der haptischen Qualität, wie Druck und Satz, auch die Rechtschreibung. Wir lesen jedes Buch quer, wobei wir nur selten seinen Textinhalt bewerten. Gibt es zu viele Rechtschreibfehler, ist der Druck oder die Leimung schlecht gemacht, schicken wir das Buch zurück. Zwei „Wortwerke“-Testleser prüfen das Buch und geben Schulnoten ab: Ein bei „Wortwerke“ präsentierter Titel muss mindestens die Schulnote „drei“ erhalten, sonst nehmen wir ihn nicht auf.

Welche Voraussetzungen muss ein Titel erfüllen, um in Ihr Sortiment aufgenommen zu werden? Worauf sollten Autoren achten?

Ein Titel muss durch die Qualitätsprüfung kommen und darf weder äußerlich noch innerlich rassistisch, diskriminierend oder hetzerisch sein. Wir nehmen alle Genres auf, da wir uns als Präsentationsplattform verstehen, die dem Kunden und Leser eine möglichst breite Palette an Büchern anbieten möchte.

Leider sind manche Bücher, die inhaltlich gut bis sehr gut sind, durch ihr Äußeres schwierig zu verkaufen. Da ist ein Titel zu lang oder das Cover ist überladen. Hier können wir nur an alle Autoren appellieren: Geht in die Buchhandlungen, seht euch Bücher an und guckt, was euch anspricht. Welche Bücher werden gekauft, welche zurückgestellt? Worin unterscheiden sie sich? Der Titel muss ansprechen, das Cover überzeugen. Danach erst erfährt der Leser etwas über den eigentlichen Text.

“So kommt Ihr Buch in den regionalen Buchhandel!”
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Sie bieten Autoren auch die Möglichkeiten, Werbematerialien auszulegen und Lesungen abzuhalten. Wer darf Lesungen bei “Wortwerke” veranstalten und wie bewirbt man sich dafür?

Alle „Wortwerke“-Autoren können zu ihrem Titel Werbemittel wie z. B. Lesezeichen auslegen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich viele Kunden dabei gern bedienen. Und viele Autoren sind wirklich kreativ. Manche Giveaways sind echte Hingucker.

Die Filialen bieten „Wortwerke“-Autoren vom Herbst bis zum Frühjahr an, Lesungen abzuhalten. Die Termine sind mit dem jeweiligen Filialleiter abzusprechen. Auch hier greifen wir inzwischen auf die Erfahrungen der vergangenen knapp zwei Jahre zurück und veranstalten deshalb gern Gemeinschaftslesungen mehrerer Autoren. Dies kommt beim Publikum sehr gut an. Wir haben inzwischen feste Events wie z. B. unsere „Kriminacht“, die Lesung zur Walpurgisnacht, „Lady-Nights“ oder unsere Adventslesungen, „Fantasy“-Abende oder die Literaturnachmittage. Aber wir sind immer offen für neue Ideen, die Autoren können sich jederzeit bei uns im Büro oder bei den Filialleitern melden.

Welchen Mehrwert haben Lesungen für Autoren? Spiegeln sich diese erfahrungsgemäß in den Titelverkäufen wieder?

Das ist ganz unterschiedlich. Eine gute Lesung wird natürlich häufig auch durch einen guten Buchverkauf nach der Lesung belohnt. Oft wird dann auch noch einmal nachgefragt, aber schließlich gerät der Name des Autors auch wieder in Vergessenheit und die nächste erfolgreiche Lesung steht im Mittelpunkt. Regional bekannte Autoren haben es da sicher etwas einfacher, aber eine Lesung ist kein Garant für ein Mehr an Buchverkäufen. Was wir aber beobachten können, ist, dass die Bücher eines Autors, der auf einer Lesung überzeugt hat, auch später noch gekauft werden. Auch Kontaktanfragen auf z. B. Facebook oder Instagram finden statt, da die Leser mitverfolgen möchten, was der Autor macht. Von daher sind gute Lesungen sicher eine Möglichkeit, sich über die Zeit einen Fan- und Kundenstamm aufzubauen.

“Wortwerke”-Autoren haben auch die Möglichkeit, Hörbücher bei Ihnen zu veröffentlichen. Bitte erläutern Sie kurz, wie Autoren hier vorgehen können.

Die Autoren können ihre Texte entweder selber einlesen oder durch Künstler, die sich zur Verfügung stellen, einlesen lassen. Stimmproben können auf unserer Homepage angehört werden. Unser Tontechniker macht daraus eine hochladbare Datei, die Preise richten sich nach dem Aufwand und ob ein Sprecher bezahlt werden muss.

Die Rechte bleiben in vollem Umfang beim Autor, wir produzieren nur, erwerben aber keinerlei Rechte am Werk. Jeder Autor, der bei uns präsentiert und ein Hörbuch zu diesem Titel produziert hat (über uns oder anderswo), kann dieses kostenfrei auslegen und über die Filialen verkaufen lassen.

Welche Marketingaktivitäten funktionieren Ihrer Meinung nach noch für Self-Publisher?

Das kommt sicher auf das Buch und das Genre an. Ich denke, ich als Autor muss mich zunächst entscheiden, was ich schreiben möchte und wer meine Zielgruppe ist. Und dann muss ich diese Zielgruppe erobern – und zwar auf allen Portalen. Ich will ein Kinderbuch verkaufen? Dann muss ich in die Kindergärten, die Kinderkliniken, zu Tagesmüttern und sozialen Verbänden. Ich habe einen historischen Roman geschrieben? Dann muss ich dorthin, wo er stattfindet, und zu allen Lesern, die sich für diese Geschichte interessieren. Autoren müssen unglaublich kreativ sein, nicht nur beim Schreiben. Die eigentliche Arbeit beginnt, wenn der Text fertig ist.

Bislang gibt es “Wortwerke-Filialen” in Jesteburg, Bremerhaven und Groß Niendorf; eine weitere Buchhandlung in Halle b. Leipzig ist geplant. Planen Sie, das Konzept weiter auszubauen?

Daran arbeiten wir und wollten auch schon viel weiter sein. Aber es galt, Kinderkrankheiten auszumerzen und das Konzept zu überarbeiten. Zu „Wortwerke“ gibt es derzeit nichts Vergleichbares, wir mussten alle Fehler selber machen.

Halle bei Leipzig eröffnet im September 2017 und nimmt uns damit die „Nordlastigkeit“. 2017 und 2018 wollen wir aber noch mindestens sechs weitere Filialen eröffnen und sind derzeit auf der Suche nach guten Standorten.

Was ist für Sie das Besondere an Wortwerke?

„Wortwerke“ sieht sich als reale, physische Plattform, um Bücher von verlagsfreien Autoren und Werken kleinerer Verlage zu präsentieren und zu verkaufen. Das gab es in Deutschland bisher nicht. Und ich sehe „Wortwerke“ auch als Künstlertreff, als Ort des Austausches zwischen Autoren untereinander und Autoren und Lesern. Es ist ein Ort der Literatur und Kultur, der durch die Kombination aus Buchhandel und Café viele Lesende und Gäste anspricht.

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